Coaching: „Mit innerer Kraft leichter Lösungen finden“

Coaching für Führungskräfte ist in der aktuellen Arbeitswelt keine Ausnahme mehr. Die Anforderungen an Manager und Mitarbeiter steigen und Coaches können dabei unterstützen, mit der eigenen inneren Kraft Lösungen zu entwickeln. Axel Klimek ist Coach für Führungskräfte und Teams sowie Organisationsentwickler. Im Interview zeigt der ADG-Referent, welchen Mehrwert Coaching bietet – nicht nur für einzelne Individuen, sondern für ganze Organisationen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Organisationen heute?

Klimek: Die technische Entwicklung passiert mit einer Geschwindigkeit, die exponentiell wächst. Daher müssen sich auch Organisationen immer schneller ändern können.

Executive Coach (Senior Coach DBVC) für Führungskräfte und Teams, Organisationsentwickler

Aber bei der Veränderung geht es nicht in erster Linie um die Integration von technischen Lösungen zu Lasten menschlicher Leistung. Sondern es geht um das kluge Zusammenspiel von neuer Technik, individueller Potentiale und einer Organisationskultur, die Innovation und Performance ermöglicht.

Change ist nicht mehr dazu da, nur eine bestimmte Weiterentwicklung anzustoßen. Es stellt vielmehr eine neue Konstante dar. Junge Arbeitnehmer haben Ansprüche. Stichwort: New Work. Arbeitgeber, die sich nicht verändern, sind nicht mehr attraktiv. Wenn Organisationen langfristig erfolgreich sein wollen, müssen sie sich mit dem Phänomen VUKA-Welt – Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität – auseinandersetzen.

Organisationen sollten sich diese  Fragen stellen: Wie wollen wir in der Zukunft aufgestellt sein, um weiterhin erfolgreich am Markt zu agieren? Welche Voraussetzungen sind in Bezug auf die Digitalisierung notwendig? Wie schafft es die Organisation, innovative Produkte zu bauen, die im Wettbewerb mit neuen Anbietern bestehen können?

Banken sollten sich zum Beispiel darauf einstellen, dass der gesamte Zahlungsverkehr zukünftig über das Handy abgewickelt wird. Organisationsstrukturen die auf Hierarchien aufbauen, müssen überdacht werden – also eine Organisationskultur geschaffen werden, die die Intelligenz der Mitarbeiter hebt und nicht nur davon ausgeht, dass derjenige der oben sitzt, klüger ist und es besser weiß.

Inwiefern kann Coaching einen Mehrwert schaffen?

Klimek: Organisationen brauchen eine Kultur, die auf Innovation und Kooperation aufbaut. Coaching hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und hat nicht mehr ausschließlich das klassische Verständnis einer Entwicklungsmaßnahme für Führungskräfte. Wir wollen weitergehende Antworten geben und sprechen daher von Coaching 3.0. Dabei dehnt sich der Fokus in Richtung einer bewussten Co-Evolution der neuen Rahmenbedingungen für das eigene Wirken unter Beteiligung aller Stakeholder aus.

Um als Organisation flexibel innerhalb der VUKA-Welt zu agieren, ist ein zielgerichteter Einsatz neuerer Coaching-Ansätze wichtig. Dazu gehört beispielsweise das sogenannte Transformation-Coaching, was neue Erklärungsansätze und Vorgehensweisen schafft, wenn die bestehenden mentalen Modelle nicht mehr zum Ziel führen, oder um es mit Einstein zu sagen: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Ganz konkret: Wie gehen Sie in der Praxis vor?

Klimek: In einem Zustand von Stress und großem Druck ist das Gehirn darauf gepolt, schnelle und gewohnte Lösungen zu finden. Wir bauen auf die „Best-Practice“ der Vergangenheit auf. Die helfen in der VUKA-Welt einfach nicht mehr unbedingt weiter. Darum parken wir die Frage „Welches Probleme, welche Herausforderung soll gelöst werden?“ zunächst.

Als erstes geht es darum, in einen inneren Zustand, den Performance State, zu kommen, welcher andere Regionen im Gehirn aktiviert. Es ist ein Zustand, indem wir entspannt und mit unserem Potential stärker verbunden sind. Aus diesem Zustand wenden wir uns dann den Herausforderungen zu. Dadurch wird für die Lösung nicht nur die rationale linke Gehirnhälfte angesprochen, sondern das ganze Gehirn mit seinen rationalen und assoziativ-imaginativen Fähigkeiten. Hier kann ein AHA-Effekt entstehen.

Können Sie das an einem Beispiel aus der Praxis noch verdeutlichen?

Klimek: Ich denke zum Beispiel an eine Führungskraft aus dem Medienbereich. Er wollte neue Produkte mit seinem Team erarbeiten. Dabei betonte er immer wieder: Wir müssen dahin, wir müssen dies und jenes erreichen. Der Druck und die Anspannung waren förmlich spürbar. Ich riet ihm, zunächst in einen Zustand zu kommen, wo er sich kreativ und entspannt erleben konnte. Augenblicklich erinnerte er sich an eine Safari in Namibia, wo er sich völlig losgelöst fühlte und frei für neue Gedanken war.

Diese Situation nahmen wir als Ankerpunkt, um sich wieder seiner ursprünglichen Herausforderung zu widmen und wiederum in seinem Unternehmen kreative Räume zu schaffen. Da fingen seine Augen an zu leuchten und er startete direkt damit, ein Kundenprojekt kreativ neu zu denken. Diese Magie entstand in dem Moment, als er sich innerlich mit dem entspannten Zustand der Vergangenheit im Hier und Jetzt verband. Viele Weltklassesportler wissen um die Magie dieser Momente: Wenn ich mich so fühle und mich auf meine eigene Kraft besinne, dann bin ich die hundertstel Sekunde schneller.


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