Interview: „Was uns von anderen unterscheidet, ist die Genossenschaft, die hinter der Community steht“

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Coworking-Spaces gibt es in Deutschland immer häufiger und sie werden von vielen als ein Arbeitsmodell der Zukunft gesehen. Dass ein Coworking-Space mehr sein kann, als schlicht ein Büro, das von Menschen geteilt wird, die unabhängig voneinander arbeiten, zeigt das Coworking-M1 in Mainz. Dahinter steht die Genossenschaft Synthro, die mit ihrer Vision neue Formen der Zusammenarbeit kreativ gestaltet. Florian Hupf, Mitgründer von Synthro und Projekt Manager im Coworking-M1, erzählt im Interview mit der ADG, worum es bei der Genossenschaft geht.

Florian*, 2016 hast du zusammen mit anderen die Genossenschaft Synthro gegründet und den ersten Coworking-Space in Mainz eröffnet. Was ist euer Ziel?

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Das Team von Coworking-M1.

Florian Hupf: „Die Genossenschaft Synthro ist ein Zusammenschluss von Unternehmern, Privatleuten und Experten aus verschiedenen Branchen und Fachrichtungen, die sich ein gemeinsames Ziel gesetzt haben: Menschen für alternative Formen des Wirtschaftens begeistern sowie Menschen mit guten Ideen fördern, unterstützen und zusammenbringen. Der Coworking-Space ist der physikalische Ort, an dem wir wirken und uns mit anderen vernetzen können.

Die Genossenschaft wird dabei insgesamt wie ein Unternehmen geführt. Budget, Erfahrung und Know-how fließen jedoch immer in die Gemeinschaft zurück. Das entwickelte Know-how wird nach dem genossenschaftlichen Prinzip geteilt – teilweise auch darüber hinaus als Open-Source. Wir sind davon überzeugt, dass eine solche Genossenschaft konstruktive, engagierte Mitarbeiter und Ideen anzieht – und damit ein erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften in der Gemeinschaft ermöglicht. Wir möchten, dass ein Netzwerk aus Unternehmen entsteht, die durch ihre einzigartigen Fähigkeiten und gemeinsamen Überzeugungen eine lebenswerte Zukunft gestalten.“


Wie sieht der Arbeitsalltag im Coworking-M1 konkret aus? Was bietet ihr an und wer nutzt das Angebot?

Florian Hupf: „Unser Coworking-M1 bietet neben idealen infrastrukturellen Bedingungen, wie schnellem Glasfaser Internet mit WLAN, IT-Services und Hardware, verschieden großen Besprechungsräumen, flexiblen Veranstaltungsräumen und moderner Küche genau die Arbeitsatmosphäre, die heutzutage immer wichtiger wird. In der Gemeinschaft mit Startups, Freelancern, Selbstständigen und Unternehmern kommt es ganz automatisch zum kreativen Input bei eigenen Projekten. Kontakte bauen sich unkomplizierter auf und der offene Austausch untereinander kann oft das ein oder andere Problem schneller lösen, als man glaubt. „Co“ in Coworking steht für genau diesen Faktor: Zusammenarbeit.

​Mittlerweile zählt unsere Coworking Community 80 aktive Mitglieder und über 400 Nutzer. Unsere selbst gestaltete Innenausstattung, der Garten sowie die wiederkehrenden Veranstaltungen und Workshops zu verschiedensten Themen sorgen außerdem für eine entspannte Arbeitsatmosphäre.“


Was unterscheidet euch von anderen Coworking-Spaces?

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Im Coworking-Space Zusammenarbeit kreativ gestalten.

Florian Hupf: „Was uns von anderen unterscheidet, ist die Genossenschaft, die hinter der Coworking-Community steht. Wir haben uns schon bei der Gründung ganz bewusst für eine Genossenschaft entschieden, weil wir nicht nur einen Raum mit Schreibtischen anbieten wollten, in dem man seinen Laptop an die Steckdose anschließt und arbeitet. Uns geht es darum, gemeinsam Arbeit und Gemeinschaft zu gestalten. Sich mit anderen austauschen, kreativ zu sein und sich gegenseitig zu stärken – das ist mehr als nur ein Büro für alle. Wir leben Zukunft und die Partner untereinander leisten Hilfe zur Selbsthilfe.“


Coworking-M1 ist nur eines von vielen Projekten eurer Genossenschaft. Welche anderen Projekte betreibt ihr?

Florian Hupf: „Wir bieten auch verschiedene IT-Services, wie zum Beispiel eine Wissensmanagement-Softwarelösung, an und stellen Dienstleistungen im Bereich Unternehmensadministration, wie zum Beispiel die Finanzbuchhaltung, zur Verfügung. Wer sich im Coworking-Space eingemietet hat, für den können wir auch Sekretariat oder Postverteilung übernehmen.

Außerdem haben wir das Projekt Glashaus bei uns in der Genossenschaft aufgenommen – hier produzieren wir schon jetzt im M1 sogenannte bioponische Lebensmittel mit einer hydroponischen Anlage, die bei uns im Keller steht. Dabei handelt es sich um eine vollautomatische Anlage, die ganzjährig ohne Sonne und Erde verschiedene Kräuter- und Gemüsesorten hocheffizient produzieren kann. Die Wurzeln der Pflanzen werden dabei stetig mit etwas Wasser umspült und mit speziellen LED-Lampen bestrahlt.

Da der Prototyp sehr gut bei uns im M1 funktioniert, wollen wir das Ganze jetzt in einer Halle oder einem Keller vergrößern. Für dieses und zukünftige Projekt suchen wir aktuell nach Finanzierungsmöglichkeiten – denkbar wäre zum Beispiel ein Fonds inner- oder außerhalb der Genossenschaft, den wir speziell für die Projektfinanzierung aufsetzen würden."


Für Besuch im Coworking-M1 vormerken lassen

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Zusammenarbeit im Coworking-Space: Coworking-M1 in Mainz der Genossenschaft Synthro .

Das Interview hat Ihr Interesse an der Genossenschaft Synthro und dem Coworking-M1 geweckt? Die ADG organisiert gerne einen Besuch in Mainz für Mitglieder und Kunden. Dabei können Sie nicht nur mehr über die Genossenschaft, Vernetzung und neue Formen der Zusammenarbeit erfahren, sondern gemeinsam mit anderen Partnern aus der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Ideen sammeln und darüber diskutieren, welche Geschäftsmodelle sich daraus für Ihren regionalen Standort entwickeln lassen.

Bei Interesse können Sie sich schon jetzt für einen solchen Besuch im M1 bei der ADG-Ansprechpartnerin Bianca Ananias vormerken lassen.  


*Anmerkung der Redaktion: Im Umfeld der Coworking-Community ist es üblich, sich mit Vornamen anzusprechen, weshalb auch das Interview in der Du-Form geführt wurde.

Ihre Ansprechpartnerin

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Bianca Ananias

B. A.
Community-Managerin