Innovationskultur: „Unsere Herausforderung liegt darin, den Prozess zu verstetigen“

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Arbeiten wie ein Start-up. Innerhalb von 48 inspirierenden Stunden Ideen für Produkte oder Prozesse ausarbeiten. Und damit Vorstand wie Kunden begeistern: Das ist die Innovationswerkstatt der ADG. Die DKM Darlehnskasse Münster eG hat das Format gleich mehrfach eingesetzt. Im Interview berichtet Ludger Woltering, Bereichsleiter Marketing, von seinen Eindrücken.

Herr Woltering, wie sind Sie auf die Innovationswerkstatt der ADG aufmerksam geworden?

Ludger Woltering: Ich habe an einem Geno-Barcamp teilgenommen und hatte sehr schnell den Eindruck, dass die ADG beim Thema Innovationsmanagement gut aufgestellt ist. Anlass für die konkrete Durchführung einer eigenen Innovationswerkstatt war die Erkenntnis, dass wir unser Haus im Bereich Innovationskultur neu aufstellen wollten. Unser erster Gedanke lag – recht naheliegend – darin, unser betriebliches Vorschlagswesen zu reaktivieren. Aber wir haben schnell gemerkt, dass es weit mehr bedarf.


Wie ist diese Idee entstanden, eine neue Innovationskultur zu entwickeln?

Woltering: Diese Erkenntnis kam uns im Rahmen eines ADG-Workshops „Einstieg in die Digitalisierung“. Wir haben sehr schnell gemerkt, dass es für Innovationen im Bereich Digitalisierung bestimmter Werkzeuge bedarf, um den Prozess überhaupt in Gang zu setzen. Uns wurde klar, dass wir das Thema „Innovation“ auf die Agenda setzen müssen – unter anderem auch, um das Thema „Digitalisierung“ erfolgreich vorantreiben zu können. Es ging uns darum, eine innovationsfreundliche Arbeitskultur zu entwickeln. Und das zusammen mit einem Partner, der das bereits unter Beweis gestellt hat.

 

Und so haben Sie die Innovationswerkstatt durchgeführt …

Woltering: Genau. Alle Mitarbeiter sollten die Gelegenheit bekommen, sich mit dem Thema Innovation zu beschäftigen. Das ist uns in jedem Fall gelungen, denn von den insgesamt rund 120 Mitarbeitern der Darlehenskasse Münster haben sich 48 für eine Teilnahme an dem zweieinhalbtägigen Workshop angemeldet. Wir haben ihn dann in zwei Gruppen durchgeführt, damit die Teilnehmerzahl überschaubar bleibt. Einen weiteren Workshop gab es mit Vorstand und Führungskräften.

 

Was hat die Innovationswerkstatt für Ihr Haus geleistet?

Woltering: Die Innovationswerkstatt war für die DKM der Kick-off, um Kulturveränderung zu ermöglichen. Das Denken in Banken ist sehr stark von Regulierung und Prozessen geprägt. Das führt zu einer Schere im Kopf: Wir denken bei neuen Ideen sehr schnell von vornherein „Das geht so nicht, weil …“. Uns ging es darum, unseren Horizont zu weiten und zu lernen, wie wir uns von diesen gedanklichen Einschränkungen lösen können, um zunächst wirklich vom Kunden her zu denken. Dafür gibt es Formate und Methoden. Und die haben wir gelernt.

 

Wie verlief der Workshop?

Woltering: Alle Teilnehmer waren aufgerufen, schon mit einer Idee in den Workshop zu kommen, mit der sich die Gruppe beschäftigen sollte. Natürlich konnte man sich dafür auch schon vorab in kleinen Teams zusammenfinden. So kamen vom Start weg bereits über 30 Ideen zusammen. Diese haben wir dann in den zweieinhalb Tagen bearbeitet. Dabei haben wir uns in kleinsten Schritten vorangetastet und immer wieder geprüft, ob es richtig und zielführend ist, was wir gerade tun. Wir haben Kundenvorteile gesammelt und geschaut, wo genau der Schuh drückt, aber auch, welche begrenzenden Faktoren es gibt, etwa vonseiten der Regulierung. Und mit jedem Schritt haben wir die Idee immer weiter ausgearbeitet und verfeinert.

 

Letztlich kann es aber doch sein, dass man am Kundenbedürfnis vorbeidenkt.

Woltering: Ja, hier wurde es für die Teilnehmer richtig spannend, denn wir haben die Ideen im Praxistest validiert: Die Teilnehmer haben gut bekannte Kunden angerufen und befragt. Wir sind aber auch in die Fußgängerzone gegangen und haben Passanten angesprochen. Das hat zunächst Überwindung gekostet, aber alle haben mitgemacht. In der Gruppe zieht man sich gegenseitig mit. Und am Ende hat es allen Spaß gemacht und brachte Erfolgserlebnisse. Nach dieser Kundenvalidierung wurden die Ideen weiter angepasst. Sofern eine Idee am Kunden vorbeigedacht wurde, musste sie angepasst, neu gedacht oder eben auch aussortiert werden. Das gehört im Prozess dazu.

 

Viele gute Ideen verschwinden am Ende leider doch in irgendeiner Schublade…

Woltering: Genau so soll es nicht sein! Und deshalb wurden die Ideen zum Ende des Workshops einer Jury präsentiert, die sich aus einem Mitglied des Vorstands und zwei langjährigen Kunden zusammensetzt. Diese Jury hat die Ideen bewertet. Dafür haben die Teilnehmer Präsentationen vorbereit, und das teilweise auch sehr kreativ. Es gibt ja weit mehr als PowerPoint. Man kann im Internet Tools nutzen, mit denen es möglich ist, innerhalb weniger Stunden selbst ein Präsentationsvideo zu produzieren, oder eine Präsentations-Internetseite zusammenzustellen. Ein Team hat sogar eine Szene vorgespielt. Wichtig ist dabei natürlich, dass der Vorstand mitzieht und offen ist für neue Formate. Gerade bei den Kunden kamen diese Präsentationen sehr gut an.

 

Mögen Sie uns eine dieser Ideen verraten?

Woltering: Die Idee „DKM-Kümmerer“ hat es nach diesem Workshop bis in den konkreten Prozess der weiteren Produktentwicklung geschafft. Dabei geht es um eine umfassende sowie digital unterstützte Nachlassvorbereitung und -verwaltung. Von der Vorsorgevollmacht über das Testament bis hin zu einzelnen Verträgen – als Erblasser und auch als Hinterbliebener muss man dabei ja sehr viel bedenken. Ziel ist es, dass der Testamentsvollstrecker alles problemlos abwickeln kann. Derzeit klären wir das Honorarmodell und auch rechtliche Fragen. Früher wurde ein Produkt komplett entwickelt, und erst im Nachgang merkte man, dass es am Kundenbedarf vorbeilief. Das soll uns jetzt nicht mehr passieren.

 

Und wie geht es jetzt weiter mit der Innovationkultur in Ihrem Haus?

Woltering: Unsere Herausforderung liegt nun darin, den Prozess zu verstetigen und dauerhaft zu implementieren. Dafür haben wir ein neunköpfiges Innovationsteam installiert. Am wichtigsten ist aber die Entwicklung einer echten Innovationskultur mit einem hierarchiefreien Prozess vom Azubi bis zum Vorstand. Es geht darum, erst vom Kunden her zu denken, und nicht von Restriktionen her. Es geht drum, mit Fehlern und Sackgassen unvoreingenommen umzugehen. Und auch Führungskräfte müssen lernen, dass es dazugehört, sich viele Ideen wertschätzend anzusehen und zu prüfen, wenn sie sich die Chance erhalten wollen, die wenigen wirklich guten Ideen auch zu Gesicht zu bekommen.

 

Und darin wird Sie die Geno-Innovation Kickbox unterstützen!

Woltering: Die Innovationsbox der ADG ist ein digitales Tool, aber auch eine tatsächlich physisch vorhandene Kiste, die sämtliche Instrumente enthält und beschreibt, mit denen wir in unseren Workshops gearbeitet haben. Damit bietet sie eine detaillierte Anleitung, wie man in der Innovationsarbeit vorgehen kann. Im Grunde kann man sich anhand der Toolbox das Thema Innovationsmanagement auch ganz eigenständig erarbeiten, aber aus meinen Erfahrungen heraus empfehle ich doch sehr die Durchführung eines Workshops – wenigstens als Kick-off. Unsere Idee ist es, dass sich jeder Mitarbeiter diese Kiste nehmen und damit zurückziehen darf, ohne Rechenschaft darüber abgeben zu müssen. Das wird bislang noch nicht genutzt. Daran zeigt sich, dass Innovationkultur nicht mit einem Workshop „gemacht“ werden kann. Wir müssen hier noch unseren weiteren Weg gehen.

 

Worin liegen Ihre nächsten Schritte?

Woltering: Bei der Etablierung einer nachhaltigen Innovationskultur spielt unser Innovationsteam eine wesentliche Rolle. Dessen Mitglieder betreiben zum Beispiel Netzwerkarbeit über das Geno-Barcamp und sie sind Mitglieder im digitalen Hub Münster, die einen Trendradar über Entwicklungen in Banken und bei FinTechs betreiben. Und sie tragen alle diese Informationen in die Bank, um das Thema Innovation an der Oberfläche zu halten. Derzeit gestalten wir außerdem den „Freiraum“, einen besonderen Besprechungs- und Innovationsraum für kreative Prozesse.

Ihre Ansprechpartnerin

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Anne Neuroth

Betriebswirtin (VWA)
Innovationen

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