„Geno-Coin“: ADG präsentiert Forschung zu Kryptowährung auf Konferenz in Chicago

Word Art 3

Blockchain, Bitcoin, Kryptowährungen: das Themenfeld ist komplex und schnelllebig. Erstmals wurde die Grundidee des Bitcoins im Whitepaper von Satoshi Nakamoto im Jahr 2008 veröffentlicht. Laut CoinMarketCap werden heute schon 1.926 Kryptowährungen an 13.727 Börsen gehandelt. Welche Rolle ethische Aspekte beim Handel und Einsatz von Kryptowährungen spielen, damit beschäftigen sich aktuell das Forschungsinstitut ADG Scientific – Center for Research and Cooperation (ARC) und die ADG Business School in einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Prof. Christian Kalhöfer, akademischer Leiter der ADG Business School, erklärt im Interview, was hinter der Idee eines „Geno-Coins“ steckt.

Herr Professor Kalhöfer, Sie beschäftigen sich in einem Forschungsprojekt mit dem Thema Kryptowährung und Ethik. Warum ist das Thema relevant?

Laut einer PWC-Studie erwarten 63 Prozent der Bankführungskräfte Auswirkungen der Blockchain-Technologie auf ihr Geschäftsmodell bis zum Jahr 2027. Gleichzeitig sind aber nur 68 Prozent wenig oder gar nicht mit der Blockchain-Technologie vertraut. Dabei bietet sie für Finanzdienstleister ein großes Potential, neue Geschäftsmodelle abzuleiten.

Kryptowährungen, wie zum Beispiel der Bitcoin, als Anwendungsfeld der Blockchain, sind also auch für Genossenschaftsbanken ein wichtiges Zukunftsthema. Bei unserem Projekt, dass von Viktoria Schäfer, Vorstandsvorsitzende von ADG Scientific, Professor Claus Dierksmeier von der Universität Tübingen und mir durchgeführt wird, wollen wir herausarbeiten, welche ethischen Aspekte beim Design einer solchen Währung beachtet werden müssen.

Im August 2018 haben wir bei der jährlichen Konferenz der renommierten Society for Business Ethics in Chicago dazu einen Vortrag gehalten und unsere Überlegungen mit anderen Kollegen diskutiert.

Warum bringen Sie überhaupt das Thema Ethik in Zusammenhang mit Kryptowährungen? Sind sie nicht, vereinfacht gesagt, nur ein digitales Zahlungsmittel?

Das Konzept von Kryptowährungen stellt eine Alternative zu konventionellen Währungen dar, die von Staaten und Zentralbanken verwaltet und kontrolliert werden. Kryptowährungen werden dezentral in einem Rechnernetz mit Hilfe einer Software generiert bzw. geschürft und verwaltet. Das System basiert auf einer von den Teilnehmern gemeinsam verwalteten dezentralen Datenbank, in der alle Transaktionen in einer Blockchain aufgezeichnet werden.

Dieses System unterliegt keiner geographischen Beschränkung und kann länderübergreifend eingesetzt werden. Einzige Bedingung ist die Verfügbarkeit einer Internetverbindung. Kryptowährungen funktionieren damit unabhängig von Staaten oder einer anderen zentralen Kontrollinstanz. Die Teilnehmer entscheiden und steuern. Das birgt ein großes demokratisches Potential.

Also sind Kryptowährungen besser als konventionelle Währungen?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Kryptowährungen bieten sowohl Vor- als auch Nachteile. Vorteile sind neben der Dezentralität, der weitestgehenden Manipulationssicherheit der Blockchain-Technologie sowie der revisionssicheren Speicherung der Daten, dass Kryptowährungen durch reduzierte Transaktionskosten neue Möglichkeiten bieten, Armut zu bekämpfen, soziale Geschäftsmodelle aufzubauen sowie Bürgern in Staaten mit korrupten Regierungen eine finanzielle Opt-out-Option zu bieten.

Nachteile sind wiederum zum Beispiel begrenzter Speicherplatz und der enorme Energieverbrauch, der beim Schürfen einer Kryptowährung entsteht. Für 2018 zum Beispiel wird der Stromverbrauch dafür auf rund 130 Terawattstunden geschätzt, was etwa dem Stromverbrauch Argentiniens entspricht.

In der Realität zeigt sich auch, dass viele Kryptowährungen hochspekulativ sind – und damit möglicherweise nicht geeignet, traditionelle Währungen zu ersetzen. Darüber hinaus bieten Kryptowährungen auch Möglichkeiten für illegale Aktivitäten, was unteranderem durch gehackte Konten oder Insolvenzen von Börsen für Kryptowährungen, bei denen Anleger viel Geld verloren haben, beobachtet werden konnte.

Was wollen Sie und Ihre Kollegen mit Ihrer Forschung aufzeigen?

Wir stellen die Frage, wie sich die ethischen Probleme der Kryptowährungen vermeiden lassen. Die genossenschaftliche Idee, die auf kooperativem Handeln aufbaut und werteorientiert ist, könnte Lösungen für die derzeitigen Probleme der Kryptowährungen bieten. Wie könnte zum Beispiel eine genossenschaftliche Währung, eine „Geno-Coin“, aussehen? Diese und weitere Fragen wollen wir mit unserer Forschung beantworten.


Ihr Ansprechpartner

Christian Kalhöfer

Prof. Dr.
Akademischer Leiter Masterstudiengänge

Dr. Viktoria Schäfer

Vorstandsvorsitzende und wiss. Leiterin - ADG Scientific