ADG-Infoservice Regulatorik

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Mit unserer heutigen Ausgabe des ADG-Infoservice geben wir Ihnen einen Überblick darüber, welche Entscheidungen, Regelungen und Konzeptionen im aufsichtsrechtlichen Bereich wichtig für Ihre tägliche Praxis werden. So hat die BaFin beispielsweise die Liquiditätsverordnung (LiqV) überarbeitet. Außerdem fassen wir Ihnen die neuen Anforderungen an die Berichterstattung des Abschlussprüfers sowie die Anpassungen in Bezug auf die erforderlichen praktischen Erfahrungen von Geschäftsleitern kompakt zusammen.

BaFin überarbeitet Liquiditätsverordnung

Im Einvernehmen mit der Bundesbank hat die BaFin die Liquiditätsverordnung (LiqV) überarbeitet. Kernelement dieser Überarbeitung ist ein reduzierter Anwendungsbereich. Die Verordnung ist zum 1. Januar 2018 in Kraft getreten und fortan nur noch von Instituten einzuhalten, die die Liquiditätsanforderungen der Artikel 411 bis 428 CRR nicht anwenden müssen. Hintergrund der Änderungen ist die Tatsache, dass gemäß Artikel 412 Abs. 5 CRR nationale Bestimmungen zu Liquiditätsanforderungen nur so lange beibehalten werden dürfen, bis gemäß Artikel 460 CRR verbindliche Mindestquoten für Liquiditätsanforderungen vollständig eingeführt sind. Dies ist seit dem 1. Januar 2018 gegeben, da seither die Liquiditätsdeckungsquote zu 100 % einzuhalten ist.

Pressemitteilung der BaFin herunterladen

Änderungsverordnung herunterladen



BAIT – Artikel im BaFin Journal Januar 2018

Im November des vergangenen Jahres hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) veröffentlicht. Hierüber haben wir bereits mit unserem Infoservice – November 2017 informiert. Im BaFin Journal vom Januar 2018 ist nun der Artikel „IT-Sicherheit – Aufsicht konkretisiert Anforderungen an die Kreditwirtschaft“ erschienen, aus dem wir die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst haben.

Der BaFin-Artikel verdeutlicht, dass die BAIT als zentraler Baustein der IT-Aufsicht für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute in Deutschland anzusehen sind und sich an die Geschäftsleitungen richten. Die BAIT interpretieren – gemeinsam mit den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) – die gesetzlichen Anforderungen des § 25a Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 und 5 und des § 25b des Kreditwesengesetzes (KWG). Die BAIT enthalten insbesondere Themen, bei denen die Aufsicht im Rahmen von IT-Prüfungen in den vergangenen Jahren wesentliche Mängel festgestellt hat:

  • IT-Strategie (AT 4.2 MaRisk), IT-Berichtswesen, Datenqualität (u. A. AT 4.3.2 Tz. 2 und AT 7.2 TZ 2 MaRisk)
  • IT-Organisation, IT-Auslagerung (AT 9 MaRisk)
  • Informationsrisikomanagement (AT 4.3.2 i. V. m. BTR 4 MaRisk)
  • Benutzerberechtigungen (AT 7.2 TZ. 2. i. V. m. AT 4.3.1 TZ. 2 MaRisk)
  • Anwendungsentwicklung (AT 7.2 TZ. 2 bis 5 MaRisk)
  • IT-Notfallmanagement (AT 7.3 MaRisk)
  • IT-Revision (AT 4.4.3, BT 2)

Die BAIT sollen den Banken helfen, in Bezug auf die IT eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation sicherzustellen. Dabei können die BAIT nicht als vollständiger Anforderungskatalog angesehen werden. Die Banken haben gemäß AT 7.2 MaRisk die Pflicht, bei der Umsetzung der BAIT-Anforderungen auf gängige Standards abzustellen. Der Grundsatz der doppelten Proportionalität gilt auch uneingeschränkt für die BAIT. So sollen die Steuerungsinstrumente einer Bank und die Intensität der Überwachung durch die Aufsicht proportional zu den Risiken der Bank sein.


IT-Risikobewusstsein schärfen
Eines der Ziele, welches die deutsche Bankenaufsicht mit den BAIT verbindet, ist die Schärfung des IT-Risikobewusstseins in den Instituten und hier besonders in den Führungsebenen. Unter IT-Risiken fasst die Aufsicht alle aufgrund von Mängeln entstehende Risiken für die Vermögens- und Ertragslage der Institute, die das IT-Management beziehungsweise die IT-Steuerung, die Verfügbarkeit, Vertraulichkeit, Integrität und Authentizität der Daten, das interne Kontrollsystem der IT-Organisation, die IT-Strategie, -Leitlinien und Aspekte der Geschäftsordnung oder den Einsatz von Informationstechnologie betreffen.

IT-Strategie
Die Anforderungen an die IT-Strategie formulieren die BAIT dahingehend aus, dass sich die Geschäftsleitung mit den strategischen Implikationen der verschiedenen Aspekte der IT für die Geschäftsstrategie regelmäßig auseinandersetzt. Hierzu gehören nicht nur die Aufbau- und Ablauforganisation der IT sowie die Auslagerung von IT-Dienstleistungen, sondern auch der strategische Umgang mit der individuellen Datenverarbeitung (IDV) in den Fachbereichen. Die Aufsicht betont in ihren Ausführungen, dass durch die Festlegung der IT-Strategie (sowie der daraus abzuleitenden Maßnahmen zu deren Erreichung), Klarheit über die Bedeutung der IT für die Durchführung der Bankgeschäfte geschaffen werde, die für das IT-Risikobewusstsein notwendig sei.

IT-Governance
Die Geschäftsleitung muss ebenfalls dafür Sorge tragen, dass die Regelungen der IT- Governance institutsintern und gegenüber Dritten wirksam umgesetzt werden. Weiter muss sie dafür sorgen, dass das Informationsrisiko sowie das Informationssicherheitsmanagement, der IT-Betrieb und die Anwendungsentwicklung angemessen mit Personal ausgestattet sind.

Informationsrisikomanagement
Im Zuge des Managements der Informationsrisiken haben die Institute den jeweiligen Schutzbedarf festzustellen, anschließend Sollmaßnahmen festzulegen und diese mit den wirksam umgesetzten Maßnahmen zu vergleichen.

Informationssicherheitsmanagement
Die Geschäftsleitung ist auch dafür verantwortlich, dass unter Berücksichtigung der Risikosituation, eine Informationssicherheitslinie beschlossen und intern veröffentlicht wird. Die definierten Schutzbedarfe, welche es im Rahmen des Informationsrisikomanagements festzulegen gilt, sind durch Informationssicherheitsrichtlinien zu konkretisieren. Der Informationssicherheitsbeauftragte ist, so die Aufsicht, das zentrale Element für die Einhaltung und Überwachung der Informationssicherheit innerhalb des Instituts und gegenüber Dritten. Sie ist organisatorisch und prozessual unabhängig auszugestalten, so dass gewährleistet ist, dass die Bewertung der Informationssicherheit frei von Interessenkonflikten erfolgen kann.

Benutzerberechtigungsmanagement
Das Berechtigungskonzept, welches im Rahmen des Berechtigungsmanagements schriftlich festzulegen ist, muss nach dem Need-to-Know-Prinzip ausgestaltet sein. Dieses besagt, dass nur Berechtigungen einzurichten sind, die für die Erfüllung einer konkreten Aufgabe benötigt werden.

IT-Projekte und Anwendungsentwicklung
Die Risiken bei IT-Projekten sind bei der Steuerung und Überwachung insbesondere im Hinblick auf die Dauer, den Ressourcenverbrauch und die Qualität zu berücksichtigen. Die Geschäftsleitung muss sicherstellen, dass eine Gesamtübersicht der IT-Projektrisiken und der Risiken erstellt wird, die sich aus den Abhängigkeiten verschiedener Projekte untereinander ergeben. Bei der Entwicklung von Anwendungen sind Vorkehrungen zu treffen, die die Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit und Authentizität der in diesem Programm zu verarbeitenden Daten sicherstellen. Nach Ansicht der BaFin sei es sinnvoll, IDV-Anwendungen, welche die Fachbereiche entwickeln bzw. betreiben, in Risikoklassen einzuteilen. Die Aufsicht erwartet zusätzlich ein zentrales Register, in dem alle IDV-Anwendungen, die insbesondere für bankgeschäftliche Prozesse, für die Risikosteuerung und -überwachung oder für Zwecke der Rechnungslegung von Bedeutung sind, aufgenommen werden.

IT-Betrieb
Die Berücksichtigung von Risiken, die aus veralteten IT-Systemen resultieren, soll zur Stärkung des IT-Risikobewusstseins beitragen. Dies macht ein Produktlebenszyklus-Management allerdings nur möglich, wenn die Komponenten der IT-Systeme inklusive der Bestandsangaben entsprechend verwaltet werden. Hierfür sollen die Institute grundsätzlich ein Configuration Management Database (CMDB) nutzen.

Um das IT-Risiko angemessen steuern zu können, sind geeignete Kriterien für die Information der Geschäftsleitung über ungeplante Abweichungen vom Regelbetrieb (Störungen), deren Ursachen, über die eingesetzten Notfallmaßnahmen zur Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung des Geschäftsbetriebes und über die Beseitigung der Mängel durch die Institute festzulegen.

Auslagerung und sonstiger Fremdbezug von IT-Dienstleistungen
Auslagerungen von IT-Dienstleistungen haben die Anforderungen nach AT 9 MaRisk zu erfüllen und sind mit einer Risikoanalyse zu bewerten. Auch die Risiken aus einem sonstigen Fremdbezug von IT-Dienstleistungen sind zu bewerten. Nur dadurch sei laut BaFin gewährleistet, dass die vollständige Risikosituation ermittelt werde bzw. Konzentrationsrisiken bei den IT-Dienstleistungen erkannt werden. Die aus der Risikoanalyse abgeleiteten Maßnahmen fließen in die Gestaltung der Verträge ein.


Weiterentwicklung der BAIT
Der vorliegende Artikel gibt auch einen Ausblick auf mögliche Anpassungen der BAIT durch die Aufsicht. So werde aktuell geprüft, ob die wesentlichen Elemente der Cybersicherheit, die die G-7-Staaten im Oktober 2016 veröffentlich haben, durch Anpassungen der BAIT umgesetzt werden können.

Weiterhin wird die BaFin gegebenenfalls in  Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein spezielles Modul für Betreiber Kritischer Infrastrukturen im Sinne des § 2 Abs. 10 BSI-Gesetz in die BAIT aufnehmen. In Planung sei bereits die Ergänzung der BAIT um das Thema IT-Notfallmanagement inklusive Test- und Wiederherstellungsverfahren.

Hier laden Sie den vollständigen BaFin-Artikel herunter



Bestätigungsvermerk: Neue Berichterstattung Key Account Matters (KAM)

Nach einer Analyse, in der die Informationsbedürfnisse der unterschiedlichen Stakeholder ausgewertet worden sind, haben die EU-Kommission sowie das International Auditing and Assurance Standards Board  (IAASB – welches unter anderem für die Erarbeitung, den Unterhalt und die Weiterentwicklung international anerkannter Grundsätze zur Abschlussprüfung zuständig ist) die Anforderungen an die Berichterstattung des Abschlussprüfers überarbeitet. Die neuen Vorgaben verfolgen das Ziel, den Adressaten des Bestätigungsvermerks zusätzliche Informationen über die bei der Durchführung der Abschlussprüfung bedeutsamsten Sachverhalte mitzuteilen.

Die Erweiterung des Bestätigungsvermerks dient insgesamt mehreren Zielen:

  • Der Verbesserung des Informationsgehaltes des Bestätigungsvermerks
  • Der Schärfung der Aufmerksamkeit der Unternehmensführung und des Aufsichtsorgans für die Erläuterungen im Bestätigungsvermerk
  • Verbesserung der Prüfungsqualität durch möglicherweise erhöhte Sensibilisierung für einzelne Themen aufgrund der zusätzlichen Berichtspflichten
  • intensivierte Kommunikation zwischen dem Abschlussprüfer und dem Aufsichtsorgan, vor allem zu den Key Account Matters (KAM)

Die Anforderungen an die Berichterstattung der KAM finden sich im Artikel 10, Abs. 2 der EU-Abschlussprüferverordnung (EU-APrVO), welche in allen EU-Mitgliedsländern unmittelbar gilt. Berufsständische Regelungen finden sich in den International Standards on Auditing (ISA) 701, die in Deutschland durch die IDW EPS 401 transformiert wurde.

Die beiden oben genannten Quellen beschreiben auch, was unter KAM zu verstehen ist. Artikel 10 Abs. 2 EU-APrVO führt hierzu aus:

„Der Bestätigungsvermerk enthält…:

c) eine Darlegung des Folgenden zur Untermauerung des Prüfungsurteils:

  • Eine Beschreibung der bedeutsamsten Risiken wesentlicher falscher Darstellungen, einschließlich der beurteilten Risiken wesentlicher falscher Darstellungen aufgrund von Betrug,
  • eine Zusammenfassung der Reaktion des Prüfers auf die Risiken und
  • gegebenenfalls wichtige Feststellungen, die sich in Bezug auf diese Risiken ergeben.

Wenn es für die oben genannte im Bestätigungsvermerk enthaltene Information relevant ist, ist im Bestätigungsvermerk deutlich auf die entsprechenden Angaben in den Abschlüssen hinzuweisen;“

Die KAM sind in einem gesonderten Abschnitt des Bestätigungsvermerks (Überschrift „Besonders wichtige Prüfungssachverhalte“) darzustellen. Für jedes im Vermerk aufgegriffene KAM ist eine eigene Zwischenüberschrift anzufertigen.

Die Identifikation, welche Sachverhalte als KAM zu definieren sind, beginnt mit der Gesamtheit aller Themen, die mit dem Aufsichtsorgan erörtert wurden. Entsprechend der Vorgaben aus ISA 701.9 bzw. IDW EPS 401 muss der Prüfer bei der Auswahl dieser Sachverhalte die nachfolgenden Themen betrachten:

  1. Prüfungssachverhalte, die mit höheren Fehlerrisiken verbunden sind, einschließlich der bedeutsamen Risiken.
  2. Fälle, in denen der Abschlussprüfer bedeutsame pflichtgemäße Ermessensentscheidungen getroffen hat. Dies betrifft Abschlussbestandteile, die mit erheblichen Ermessensspielräumen oder Schätzunsicherheiten des Managements einhergehen.
  3. Bedeutsame Geschäftsvorfälle oder Ereignisse, die im Geschäftsjahr stattgefunden haben.

In einem weiteren Schritt legt der Abschlussprüfer fest, welche Sachverhalte – relativ gesehen – von größter Bedeutung für die Prüfung des vorliegenden Abschlusses waren und daher als KAM anzusehen sind. Vom Aufsichtsrat beauftragte Prüfungsschwerpunkte muss der Prüfer automatisch als KAM aufnehmen. Er ist jedoch nicht verpflichtet, über KAM im Zusammenhang mit dem Lagebericht zu berichten. Gleiches gilt für aufsichtsrechtliche Vorgaben an den Abschlussprüfer, z. B. aus der Prüfberichtsverordnung (PrüfbV). Auch etwaige Informationen des Prüfers im Prüfungsbericht spielen im Rahmen der KAM keine Rolle. Die KAM beziehen sich ausschließlich auf Sachverhalte, die bei der Prüfung des Abschlusses von Bedeutung sind. Kreditinstitute als Mandanten des Prüfers haben kein Mitspracherecht, wenn es um die Identifizierung der KAM geht. Diese Verantwortung obliegt allein dem Abschlussprüfer. Die Prüfer sind angehalten, das Aufsichtsorgan möglichst frühzeitig über die voraussichtlichen Sachverhalte zu informieren, die als KAM im Bestätigungsvermerk aufgenommen werden sollen.

Nach Art. 10 der EU-VO sind bei der Darstellung eines KAM auch „ggf. wichtige Feststellungen“ bzw. „wichtige Beobachtungen“ zu beschreiben. Die Begriffe „Feststellungen“ oder „Beobachtungen“ sind aber im Sprachgebrauch im Zusammenhang mit einem KAM nicht per se in einem negativen Zusammenhang als Beanstandungen zu verstehen. Es können alle Arten von Prüfungsfeststellungen oder Schlussfolgerungen relevant sein, unabhängig davon, ob sie positiv oder negativ sind. Im Rahmen der KAM-Berichterstattung ist es aber auch grundsätzlich möglich, dass bspw. auf festgestellte falsche Angaben oder IKS-Schwächen eingegangen wird. Die Berichterstattung ist durch die Prüfer erstmalig für Abschlüsse auf den 31.12.2017 anzuwenden.



Basel III – Ausschuss einigt sich auf neue und verschärfte Regeln

Nach mehrjährigen Verhandlungen hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht Ende 2017 Änderungen und Verschärfungen der internationalen Aufsichtsregeln für Banken gebilligt. Vorausgegangen waren monatelange Streitigkeiten zwischen Europäern und den Amerikanern, die sich Ende des vergangenen Jahres auf einen Kompromiss einigten. Hauptstreitpunkt ist die Frage gewesen, wie Banken ihre Kreditrisiken kalkulieren und mit wie viel Eigenkapital die Geschäfte abgesichert werden müssen. Verwenden Großbanken hierfür meist interne Modelle, nutzen die Kreditinstitute für ihre Berechnungen häufig den vom Baseler Ausschuss vorgegebenen Standardansatz. Bis zuletzt wurde in Verhandlungen darum gerungen, um wie viel Prozent der intern ermittelte Wert vom Standardansatz ((„Output-Floor“) abweichen darf. Die neuen Regelungen sehen vor, dass die Abweichung nach unten höchstens 27,5 Prozent betragen darf.

Sollten die neuen Regelungen ursprünglich bereits ab 2019 angewendet werden, wird die Überarbeitung von Basel III nach den neuen Vereinbarungen nun schrittweise ab Januar 2022 greifen. Eine vollumfängliche Umsetzung der neuen Regelungen erfolgt erst nach fünf Jahren.

Das Abkommen wird Gegenstand einer Konsultation durch die EU-Kommission sein, wodurch die Folgen für die EU-Wirtschaft bewertet werden sollen, bevor die Umsetzung in europäisches Recht erfolgt. In der EU wird die Umsetzung über die Eigenkapitalverordnung und die Eigenkapitalrichtlinie erfolgen.



Anforderungen an Geschäftsleiter – BaFin passt Entscheidungsmaßstäbe für die Bestellung von IT-Spezialisten zu Geschäftsleitern an

Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung hat die Informationstechnik für die Risikolage von Kreditinstituten und Versicherungsunternehmen eine überragende Bedeutung entwickelt, so die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in einem Artikel im BaFin Journal vom Dezember 2017. Damit Banken und Versicherungsunternehmen die Herausforderungen der Digitalisierung bewältigen können, hat die BaFin ihre Verwaltungspraxis in Bezug auf die erforderlichen praktischen Erfahrungen von Geschäftsleitern angepasst. Mit dieser Anpassung möchte die Aufsicht mehr Raum für die Bestellung von IT-Spezialisten zu Geschäftsleitern schaffen.


Fachliche Eignung von Geschäftsleitern
Die Anforderungen an die fachliche Eignung von Geschäftsleitern sind in § 25c Abs. 1 Kreditwesengesetz (KWG) abstrakt unter Verwendung von unbestimmten Rechtsbegriffen geregelt, wodurch die Eignung auslegungsfähig ist und immer  auf das konkrete Kreditinstitut bezogen unter Berücksichtigung der Proportionalität beurteilt wird. Die gesetzlichen Regelungen werden durch ein Merkblatt der BaFin aus dem Jahr 2016 weiter konkretisiert.

Die fachliche Eignung besteht demnach aus den drei Komponenten:

  • theoretische Kenntnisse
  • praktische Kenntnisse und
  • Leitungserfahrung

Wenn die Regelvermutung des § 25c Abs. 1 Satz 3 nicht greift - wonach das Vorliegen der fachlichen Eignung regelmäßig anzunehmen ist, wenn eine dreijährige leitende Tätigkeit bei einem Institut von vergleichbarer Größe und Geschäftsart nachgewiesen werden kann - beurteilt die BaFin die fachliche Eignung einer Person als Geschäftsleiter im Rahmen einer umfassenden Einzelfallprüfung.

Theoretische und praktische Kenntnisse müssen gemäß § 25c Abs. 1 Satz 2 KWG in den „betreffenden Geschäften“ gegeben sein. Dies sind bei Kreditinstituten ausschließlich Bankgeschäfte im Sinne des § 1 Abs. 1 KWG. Die Aufsicht führt in dem Artikel weiter aus, dass zukünftig im Rahmen der Einzelfallprüfung der fachlichen Eignung, die Anforderungen an den Zeitraum angepasst werden können. In geeigneten Fällen kann der Zeitraum, in dem der Geschäftsleiter vor Amtsantritt bank- bzw. versicherungspraktische Erfahrungen erworben haben muss, auf sechs Monate reduziert werden. Die Aufsicht schreibt weiter, dass der angehende Geschäftsleiter diesen Zeitraum nutzen sollte, um die theoretischen Kenntnisse in Bankgeschäften auszubauen und zu vertiefen. Beim Amtsantritt müssen die Anforderungen der fachlichen Eignung dann vorliegen.  Um erleichterte Anforderungen an die praktischen Erfahrungen zu rechtfertigen, müssen IT-Ressortverantwortliche profunde theoretische und praktische Kenntnisse im IT-Bereich vorweisen. Diese können, so die Aufsicht, durch einschlägige akademische Qualifikationen und Berufserfahrung nachgewiesen werden.


Gesamtverantwortung aller Geschäftsleiter

Die Aufsicht führt in ihrem Artikel weiter aus, dass dieser flexiblen Anpassung der Anforderungen durch die Gesamtverantwortung der Geschäftsleiter Grenzen gesetzt werden. Auch wenn jeder Geschäftsleiter zunächst die volle Verantwortung für sein Aufgabengebiet hat, muss er sich im Rahmen der Gesamtverantwortung des Gremiums immer dann einschalten und auf Abhilfe hinwirken, wenn Anhaltspunkte für Missstände im Aufgabenbereich eines anderen Geschäftsleiters bestehen. Hierfür müssen natürlich ausreichend theoretische und praktische Kenntnisse in dem vom Unternehmen betriebenen Bankgeschäften vorhanden sein, damit der Geschäftsleiter überhaupt in die Lage versetzt wird, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Kollektive Eignung
Die kollektive Eignung des Vorstandsgremiums gewinnt vor dem Hintergrund der geänderten Verwaltungspraxis stärker an Bedeutung. Der Artikel verdeutlicht, dass die BaFin ein spezielles Augenmerkt auf die hinreichende Qualifikation des Gesamtorgans legen und dabei auch auf das Vier-Augen-Prinzip achten wird. Dies bedeutet, dass die Kompetenzen in originären Bankgeschäften im Gesamtorgan nicht nur bei einem Geschäftsleiter vorhanden sein dürfen. Die Bestellung eines Geschäftsleiters, der ausschließlich für die IT zuständig sein soll, ist daher grundsätzlich leichter in Betracht zu ziehen, wenn die Geschäftsleitung aus mehr als drei Personen besteht, die ebenfalls über fundierte Kenntnisse in Bankgeschäften verfügt.

Hier laden Sie den vollständigen BaFin-Artikel vom Dezember 2017 herunter


Die individuelle ADG-Beratung zur Geschäftsleiterqualifikation gemäß § 25c Abs. 1 KWG

Gerade der Wechsel in ein Vorstandsamt bringt besondere Herausforderungen und damit ganz spezielle Fragen sowie Weiterbildungsanforderungen mit sich. Daher unterstützen wir Sie mit unserer individuellen ADG-Beratung zur Geschäftsleiterqualifikation gemäß § 25c Abs. 1 KWG.

Unsere erfahrenen Ansprechpartner stehen Ihnen für Fragen rund um die Geschäftsleiterqualifikation sowie geeigneten Angeboten im Rahmen des Wechsels in den Vorstand  zur Verfügung.

Gern unterstützen wir Sie in einem persönlichen und vertraulichen Gespräch – natürlich kostenfrei.

Sprechen Sie uns einfach an

  • Friedrich Lömker
  • Achim Kleinefenn
  • Thomas Wilbert


AnaCredit – Aktualisierte Dateien von BVR und Deutscher Bundesbank

Sowohl die Deutsche Bundesbank als auch der BVR haben die im vergangenen Jahr veröffentlichen FAQ-Listen zu AnaCredit weiter aktualisiert und angepasst. Die Liste des BVR mit Stand vom 08.12.2017 steht Ihnen hier zum Download bereit.

Die Deutsche Bundesbank hat auf ihrer Homepage Ende des vergangenen Jahres nicht nur eine neue FAQ-Liste eingestellt. In der Rubrik „Ausweisvorschriften und Validierungsregeln“ finden sich auch weitere angepasste Dokumente, die hier zum Download bereit stehen.




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