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Regulatorik September 2019

Sehr geehrte(r) Leser(in),

am 23.09.2019 hat die Deutsche Bankenaufsicht die Ergebnisse des diesjährigen LSI-Stresstests im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist, hat die Umfrage ergeben, dass die Rentabilität der kleinen und mittelgroßen Banken und Sparkassen schwach ist. BaFin Exekutivdirektor Raimund Röseler führte aus, dass der Stresstest die Einschätzung der Aufsicht bestätigt habe, dass die Niedrigzinsphase eine erhebliche Herausforderung für die Institute darstellt. Obwohl das Stressszenario zu einer Verschlechterung der harten Kernkapitalquote um 3,5 Prozentpunkte führe, so Röseler, seien die deutschen Institute im Durschnitt auch im Stressfall solide kapitalisiert.

Grundsätzlich erkennen die Banken die Herausforderung durch das Niedrigzinsumfeld und ergreifen Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Rentabilität, so die Vertreter der Aufsicht. „Banken ziehen in ihren Planrechnungen vermehrt auch eine mögliche Weitergabe negativer Zinsen an Kunden in Betracht, bislang trifft dies allerdings vor allem Geschäftskunden und vermögende Privatkunden“, sagte Prof. Dr. Joachim Wuermeling, der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand der Deutschen Bundesbank. Banken und Sparkassen seien außerdem bereit, mehr Risiken einzugehen, um ihre Ergebnisse zu verbessern.

Rund die Hälfte der an der Umfrage beteiligten Institute hat bei den individuell erhobenen Plan- und Prognosedaten mit steigenden Zinsen kalkuliert. Daraus resultiert, dass sie in fünf Jahren mit einem um 23 Prozent gestiegenen Jahresüberschuss vor Steuern rechnen. Banken und Sparkassen, die mit einem konstanten Zins geplant haben, rechnen dagegen mit einem Rückgang der Gesamtkapitalrentabilität um 2 Prozent.

Bis zum Jahre 2023 rechnen die Institute im Durchschnitt mit einem Anstieg der harten Kernkapitalquote von 16.5 Prozent auf 16,8 Prozent. Dies rührt hauptsächlich aus der Zunahme der risikogewichteten Aktiva.

Neu im Stresstest 2019 war eine Modellierung der Gewinn- und Verlustrechnung der Banken, die sich an einem aufsichtlich vorgegebenen Krisenszenario orientierte. So konnten Institute im dreijährigen Stresshorizont zwar Einkommen vor allem aus dem Zins- und Provisionsgeschäft generieren, mussten aber zugleich auch erhebliche Einbrüche der Ergebnisbeiträge im Stressszenario hinnehmen, wie aus der Pressemitteilung zu entnehmen ist.

Ziel der Aufsicht war es festzustellen, ob die Eigenmittelausstattung der Kreditinstitute über einen dreijährigen Zeitraum ausreichend ist. Im Aggregat verfügen kleine und mittelgroße Institute in Deutschland nach einem Kapitalrückgang von 3,5 Prozentpunkten über den dreijährigen Stresshorizont noch immer über eine harte Kernkapitalquote von 13 Prozent und damit über eine solide Kapitalbasis, so die Aufsicht in ihrer Pressemitteilung.

Im Rahmen des diesjährigen Stresstests mussten die Institute auch Angaben zu Volumina, Standards und Konditionen im Bereich der Wohn- und Gewerbeimmobilien machen. Während sich die Zinskonditionen im Betrachtungszeitraum kaum veränderten, deutet die Ausweitung der Kreditvergabe in beiden Bereichen auf ein gestiegenes Risikovolumen hin, so die Aufsicht. Bei Krediten für Wohnimmobilien seien die Vergabestandards in den vergangenen drei Jahren sukzessive weniger konservativ geworden. Angezeigt wird dies vor allem durch steigende Beleihungsausläufe bzw. Loan-to-Value-Verhältnisse (LTVs).

ADG-Webinar zum LSI-Stresstest

Im ADG-Webinar „LSI-Stresstest 2019 – Aufsicht veröffentlicht Ergebnisse“ am Mittwoch, 2.10.2019 ab 9 Uhr, stellt Expertin Colette Sternberg (WP/StB.) die Ergebnisse der Umfrage vor. Zudem vermittelt sie mögliche Argumentationsstrategien für kommende Aufsichtsgespräche.

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Ihr Ansprechpartner

Thomas Wilbert
B. A.

Produktmanager für: Interne Revision, Rechtliche Fragen des Bankgeschäfts und Aufsichtsräte
Tel.: 02602 14-183

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