Über die Bedeutung deutscher Genossenschaften im globalisierten Wettbewerb

Die Genossenschaften Deutschlands sind gefordert, neue Strategien für die Netzwerk- bzw. Plattform-Ökonomie zu entwickeln. Die Integration neuer Technologien und Methoden in traditionelle Prozess- und Geschäftsmodelle reicht dazu nicht aus. Umfassende Anpassungen der Aufbau- und Ablauforganisation sowie neue Konzepte für erweiterte strategische Allianzen werden notwendig sein. Welche Rolle den Genossenschaftsbanken im Transformationsprozess zukommen kann, damit beschäftigt sich das erste Whitepaper von ADG Scientific – Center for Research and Cooperation (ARC).

Unter dem Titel Über die Bedeutung deutscher Genossenschaften im globalisierten Wettbewerb raten die Autoren Jürgen Bott und Karl-Wilhelm Giersberg zu entschlossenem Handeln – und erklären, wie Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Plattformökonomie erfolgreich sein können.

„Die Zeit für Experimente ist vorbei" - Interview mit den Autoren des Whitepaper

Herr Professor Bott, Herr Professor Giersberg, Sie haben das ADG-Whitepaper „Über die Bedeutung deutscher Genossenschaften im globalisierten Wettbewerb" verfasst. Die klare Botschaft lautet: Es ist höchste Zeit zum Umdenken. Warum?

Jürgen Bott: Neue regulatorische Vorgaben und die niedrigen Zinsen stellen Banken vor Herausforderungen. Und Entlastung ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Viele Geldhäuser konnten Probleme bisher durch eine Ausweitung des Kreditgeschäfts und geringere Risikovorsorge kompensieren. Das wird aber nicht mehr lange funktionieren.

Karl Wilhelm Giersberg: Hinzu kommt, dass zahlreiche Banken während der Zinssenkungsphase langfristige Kredite eher kurzfristig refinanziert haben. Wenn die Zinswende kommt, dürfte das zu sinkenden Margen führen. Es ist deshalb in der Tat höchste Zeit, umzudenken und entschlossen neue Wege zu beschreiten.

Aber Verantwortliche in den Banken haben doch auf breiter Front ambitionierte Programme angeschoben.
Karl-Wilhelm Giersberg: Ja, aber im Kern läuft es meist darauf hinaus, zu fusionieren und die Stückkosten zu senken. Das bringt keinen einzigen neuen Kunden.

Jürgen Bott: Digitalisierung beschränkt sich vielerorts darauf, alte Prozesse weiter zu optimieren, um Kosten zu senken. Neue Geschäfts- und Erlösmodelle werden dagegen nur zaghaft getestet. Das muss sich ändern – die Zeit der Experimente ist vorbei.

Was ist der Grund für die Zurückhaltung?
Jürgen Bott: Es gibt im genossenschaftlichen Sektor die Tendenz zu warten und zu hoffen, dass die Politik vor Angreifern aus dem FinTech- und BigTech-Lager schützt. Das ist eine Illusion.

Karl-Wilhelm Giersberg: Wie heißt es so schön: „You can’t stop the wave – but you can learn to
surf.“ Statt zu hoffen, dass der Status quo erhalten bleibt, sollten die Volksbanken und Raiffeisenbanken
konsequent neue Dienstleistungen für die Plattformökonomie entwickeln.

Wie soll das konkret aussehen?
Karl-Wilhelm Giersberg: Einerseits geht es um eigene Plattformen. Ein positives Beispiel ist das
Portal easyCredit, über das Volksbank-Kunden schnell und unkompliziert Kredite abschließen können. Dafür sind natürlich voll digitalisierte Prozesse notwendig. Die Kunden erwarten ein Online-Erlebnis – kein digitales Anbieten und analoges Abarbeiten.

Jürgen Bott: Zudem sollten die Banken darüber nachdenken, sich an digitalen Ökosystemen zu beteiligen. Nehmen wir das Beispiel Apple Pay: Natürlich sinkt ihre Marge im Zahlungsgeschäft, wenn sie in einem Netzwerk mitmachen. Aber zugleich birgt die Beteiligung auch die Chance, weitere Dienstleistungen ins Apple-Netzwerk zu
verkaufen. Verantwortliche sollten also ganzheitlicher denken.

Darüber hinaus empfehlen Sie Genossenschaftsbanken, Kunden in die Plattform- und Netzwerkökonomie zu begleiten.
Jürgen Bott: Ja, die Kernfrage muss lauten: Wie kann ich meinen Firmenkunden helfen, auf Plattformen
und in digitalen Ökosystemen erfolgreich zu sein?

Karl-Wilhelm Giersberg: Es gilt deshalb, Finanzdienstleistungen in Wertschöpfungsnetzwerke zu integrieren.

Was genau stellen Sie sich da vor?
Jürgen Bott: Um ein Beispiel zu nennen: Eine Volksbank könnte eine strategische Allianz mit einem Maschinenbauer eingehen und dessen Kunden bei Online-Vertragsabschlüssen maßgeschneiderte Finanzierungslösungen anbieten, sozusagen auf Knopfdruck.

Karl-Wilhelm Giersberg: Dazu müssen Banken eine neue operative Infrastruktur aufbauen – inklusive Vernetzung mit dem IT-System des strategischen Partners, um Daten auszutauschen und auszuwerten. Nur dann sind automatisierte Finanzentscheidungen möglich.

Sind Firmenkunden denn bereit, sensible Daten bereitzustellen?
Jürgen Bott: Die Volksbanken und Raiffeisenbanken haben hier einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Geldhäusern, weil zu den Mitgliedern oft ein enges Vertrauensverhältnis besteht.


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Ihre Ansprechpartnerin

Viktoria Schäfer

M. Sc.
Vorstandsvorsitzende und wiss. Leiterin - ADG Scientific


Über die Autoren

Jürgen Bott arbeitete für J.P. Morgan, die Deutsche Bundesbank und McKinsey.

Karl-Wilhelm Giersberg als kaufmännischer Leiter und Finanzvorstand größerer mittelständischer Unternehmen. Beide lehren an der Hochschule Kaiserlautern.

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