200 Jahre Friedrich Wilhelm Raiffeisen: Was wir von ihm lernen können

24.01.2018
2018 steht im Zeichen Friedrich Wilhelm Raiffeisens. Am 30. März 1818 im Westerwald in Hamm an der Sieg geboren, veränderte er die Welt. Er sah die zunehmende Verarmung der ländlichen Bevölkerung und half – im Hungerwinter 1846/47 – schnell, unbürokratisch und karitativ mit der Ausgabe von Brot, um die Menschen zu retten. Er erkannte gleichzeitig aber auch, dass mit karitativem Engagement allein die Not nicht dauerhaft gelindert werden konnte. So begann er, die Ursachen für die wirtschaftlichen Probleme zu analysieren und ein Wirtschaftsmodell zu entwickeln, mit dem sich die Bauern und Arbeiter durch eigene Kraft aus ihren Notlagen herausarbeiten konnten.

Das gemeinschaftliche Wirtschaften und Leben auf der Basis von Werten und Überzeugungen begleitet die Menschheit von Beginn an. Im Laufe der Jahrhunderte nahm dieses gemeinsame Wirtschaften neue Formen an. Das 19. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Umbrüche, das die alte, noch mittelalterlich geprägte Ordnung und die tradierten Formen des Wirtschaftens hinwegfegte: politisch, religiös, wissenschaftlich, technisch, wirtschaftlich. Die Stein-/Hardenbergischen Reformen sorgten beispielsweise mit der Bauernbefreiung oder der Einführung der Gewerbefreiheit für Freiräume, führten aber auch zu neuen Abhängigkeiten, ruinösem Wettbewerb und Verelendung.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen griff diese Entwicklungen und den Gedanken des gemeinschaftlichen Wirtschaftens auf und entwickelte daraus die moderne Genossenschaft, wie wir sie heute noch kennen. Aktuell gibt es in Deutschland über 8.000 Genossenschaften und genossenschaftliche Unternehmen mit rund 23 Millionen Mitgliedern, weltweit sind es über 900.000 Genossenschaften mit rund einer Milliarde Mitgliedern.


Mit Geld und Bildung aus der Not

„…Erfahrungsmäßig ist dazu zweierlei nötig: Geld und die Kenntnisse, solches möglichst nutzbar anzuwenden. Die nötigen Kenntnisse werden erlangt durch zweckentsprechenden Unterricht; das erforderliche Kapital Geld kann nur durch Vereine beschafft werden…“ schreibt Raiffeisen im Vorwort zu seiner Publikation „Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Not der ländlichen Bevölkerung sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter“ im Jahr 1866. Dieser Grundzusammenhang und damit auch der Grundauftrag sind bis heute aktuell und gewinnen gerade in Umbruchzeiten – wie wir sie derzeit erneut erleben – rasant an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund war die Aufnahme der genossenschaftlichen Idee in die Liste des immateriellen Kulturgutes der Menschheit durch die UNESCO Auszeichnung und Auftrag zugleich, das Wissen um diese Idee lebendig zu halten und zu verbreiten. So widmet sich die ADG seit Ende 2016 intensiv der genossenschaftlichen Idee, deren wissenschaftlichen Weiterentwicklung und der Integration in die Qualifizierungsangebote. Sie fasst dies unter dem Begriff der ADG-GenoMission zusammen. In diesem Kontext entstand die genossenschaftliche Dialogwelt und im Jahr 2018 werden der Markenturm der Volksbanken und Raiffeisenbanken und das Campus-Projekt Schloss Montabaur zu einem wichtigen Netzwerk-Knotenpunkt für die Genossenschaftsidee sowie für die genossenschaftliche Forschung und die Umsetzung in die genossenschaftliche Praxis werden.


Vielfältige Beiträge der ADG zum Raiffeisen-Jahr 2018

Mit einem wissenschaftlichen Symposium startete am 30. Juni und 1. Juli 2017 auf Schloss Montabaur das umfangreiche Programm der deutschen Genossenschaftsorganisation zum Jubiläumsjahr. Die Beiträge der deutschen und internationalen Wissenschaftler sowie der Austausch mit erfahrenen Genossenschaftsleitern und Genossenschaftsgründern haben die ADG darin bestärkt, ihre Aktivitäten an der Schnittstelle von Forschung, akademischer Lehre und der klassischen Akademie deutlich auszubauen. Hierzu wird die ADG in den kommenden Newsletter-Ausgaben intensiver berichten.

Mit der genossenschaftlichen Dialogwelt und dem Kunstprojekt „Talking Head Raiffeisen“ ist die ADG u.a. auf dem offiziellen Festakt zum 200. Geburtstag Raiffeisens im Kurfürstlichen Schloss Mainz am 11. März 2018 oder in der großen Raiffeisenausstellung des Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein vertreten. Sowohl die genossenschaftliche Dialogwelt als auch das multimediale Kunstwerk „Talking Head Raiffeisen“ können von genossenschaftlichen Banken und Unternehmen bei der ADG für eigene Veranstaltungen ausgeliehen werden.

Am 29. Juni 2018 wird auf Schloss Montabaur eine große öffentliche Veranstaltung unter dem Titel „Kaleidoskop der Genossenschaften“ stattfinden. Neben dem neuen Markenturm der Volksbanken und Raiffeisenbanken wird die ADG im Rahmen ihres Campus-Projektes den Blick auf die gesamte Genossenschaftsorganisation in den unterschiedlichsten Branchen sowie über die Landesgrenzen hinaus in die verschiedensten Regionen der Welt weiten.

Für die gesamte interessierte Öffentlichkeit stellt die ADG ihren Tag der offenen Tür am 16. September 2018 unter das Thema der genossenschaftliche Idee. Unter dem Motto „Geno-Olympiade“ können die Besucher den Markenturm sowie die Präsentationen des Campus besuchen und werden auch in kurzen Vorträgen spannende Einblicke dazu erhalten, wie die genossenschaftliche Idee zur Lösung der aktuellen gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen beitragen kann.


Diese kurze Übersicht spiegelt nur einen Teil der ADG-Initiativen im Raiffeisen-Jahr 2018 wider. In den kommenden Newsletterausgaben werden das Raiffeisenjahr und die seitens der ADG durchgeführten Initiativen und konkreten Aktivitäten einen festen Platz haben.  

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Peter Sahl
Dipl.-Kaufmann
Leiter Alumni- und Förderermanagement / Leiter Mitgliederservicecenter

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