Der Algorithmus als Wertpapierberater

23.02.2018
Wertpapierberatung kann mühsam sein: Beratungsbögen, Protokolle, Dokumentationspflichten – und über jedem Gespräch schwebt mahnend die MiFID. Dieser Aufwand rechnet sich nur noch bei entsprechend umfangreichen Mandaten. Wie gut, dass im Zuge der Digitalisierung jetzt auch für Kunden mit durchschnittlichen Anlagevolumina hochwertige Beratungslösungen zur Verfügung stehen – die Robo-Advisors.

Die digitalen Anlageberater haben längst begonnen, sich ihre Marktanteile zu erobern: laut Statistikportal statista beträgt das von Algorithmen betreute Anlagevolumen schon jetzt bei 577 Mio. Euro, bis 2022 könnten es rund 1,6 Mrd. Euro werden – das entspräche einem jährlichen Wachstum von beinahe 29 Prozent.

„Der Robo-Advisor ist kein Angebot für Selbstentscheider, die sich ihr Wertpapierdepot eigenständig zusammenstellen“, erklärt Carsten Graf, Vorstandssprecher der PSD Bank Braunschweig. „Vielmehr handelt es sich um eine Selbstberaterlösung.“ Graf berichtet im Rahmen des 4. Forum Digitalisierung am 9. und 10. April 2018 auf Schloss Montabaur über erste Erfahrungen seiner Bank mit dem Robo-Advisor „MeinInvest“. So viel verrät er vorweg: „Seit offiziellem Start im Januar haben wir wöchentlich etwa acht Depoteröffnungen – das lässt sich gut an.“

Robo-Advisors ermöglichen auch Privatanlegern mit überschaubaren Beträgen vom Nutzen eines professionellen Vermögensmanagements zu profitieren. Dafür eruiert das System die persönliche Risikoneigung des Anlegers und baut darauf eine Empfehlung für ein bestimmtes vordefiniertes Portfolio auf. Dieses wird dann automatisiert und unterfüttert mit individuell konfiguriertem Parameter verwaltet.

So auch "MeinInvest". Der Robo ermittelt zunächst per Online-Fragebogen das Anlageprofil des Kunden. Dafür gibt der Anleger Auskunft über sein Alter, das geplante Anlage- oder Sparvolumen, sein Sparziel, seine Vorkenntnisse, seine Risikoneigung, aber auch über seine finanziellen Verhältnisse, um seine Risikotragfähigkeit einschätzen zu können. Daraus ergeben sich Risikoprofil, Anlagestrategie und somit eine Anlageempfehlung in Form eines von drei Portfolios: defensiv, ausgewogen und chancenorientiert. „Die Anleger investieren mit 'MeinInvest' in aktiv gemanagte Fonds“, sagt Bankvorstand Graf. Ausgabeaufschläge und Provisionen werden dem Anleger erstattet, Transaktionskosten oder Depotgebühren fallen nicht an. Berechnet wird lediglich eine Service-Gebühr zwischen 0,70 bis 1,00 Prozent des Depotvolumens einschließlich Umsatzsteuer.


Wie lässt sich "MeinInvest" in die Multikanalstrategie einer Bank integrieren?

"MeinInvest" ist eine White-Label-Lösung von Union Investment, die im Jahresverlauf flächendeckend allen Genossenschaftsbanken zur Verfügung stehen soll. Vorreiter sind 21 genossenschaftliche Banken, bei denen das System bereits im Einsatz ist – eine davon ist die PSD Bank Braunschweig eG von Vorstand Carsten Graf. „Von der Information, über die Selbstberatung, Legitimation und Depoteröffnung bis zum Kauf des Portfolios läuft alles sehr strukturiert und selbsterklärend ab“, schildert Graf seine Erfahrung mit dem System. „Mit 'MeinInvest' können wir digitalaffine Kunden erreichen, für die eine persönliche Beratung in der Geschäftsstelle oder per Videoberatung bisher nicht in Frage kam.“ Selbstverständlich bleibe das Beratungsangebot hybrid – Kunden, die bei der Eröffnung Hilfe benötigten, fänden Unterstützung bei den Serviceberatern der Bank.

Auf dem 4. Forum Digitalisierung berichtet Graf vor allem aus der Perspektive der Bank darüber, wie "MeinInvest" sich strategisch in die Multikanalstrategie einer Bank integrieren lässt. Die technische Implementierung verlaufe zwar problemlos, aber: „Es muss von Anfang an klar sein, wie der Robo-Advisor in die Vertriebslogik eingebunden wird, welche Rolle die Filiale dabei spielt und wie auch die Mitarbeiter mit ins Boot geholt werden“, sagt Graf. Letztlich entscheide der Berater, ob er im Kunden das Potenzial sehe, aus der Beratung mitsamt aller regulativen Pflichten den notwendigen Deckungsbeitrag zu erwirtschaften. Oder ob er die Alternative nutze, zum Tablet zu greifen und dem Kunden die Vorzüge des Robo-Advisors zu präsentieren. Denn so habe er mehr Zeit für seine Potenzialkunden. Eine besondere Rolle beim Vertrieb des Robo-Advisors komme den Serviceberatern im Retailgeschäft zu. „Wir setzen auf eine aktive Ansprache. Das System macht es den Mitarbeitern dabei sehr leicht – die Anmeldung ist absolut unkompliziert und innerhalb von zehn Minuten erledigt“, sagt Graf.

Wesentlich für den nachhaltigen Erfolg ist jedoch, eine digitale Kultur im Unternehmen zu etablieren. Das fängt beim Innovations- und Zukunftsteam an und geht bis zum Selbstverständnis der Mitarbeiter als vernetzte Berater: „Natürlich hilft es, wenn der Berater sein eigenes Smartphone oder Tablet hervorholt und dem Kunden zeigen kann ‚Sieh mal her, ich mache das auch schon‘“, ist Graf überzeugt.

Lernen Sie "MeinInvest" beim 4. Forum Digitalisierung kennen:


Leider wurden keine passenden Seminare gefunden.

Für weitergehende Fragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:

Profilbild
Inken Hallberg
Dipl.-Handelslehrerin / Dipl.-Berufspädagogin
Teamleiterin

Produktmanagement für: Produktionsbank, Digitalisierung, Betriebsbereich und IT

Tel.: (02602) 14-189
Fax: (02602) 1495-189
Forum
Diesen Bereich ausblenden