Einzug der Roboter – Wie sie das Bankgeschäft zukünftig verändern werden

23.02.2018Dr. Ingo Kipker
Der Einsatz von Roboter-Technologie ist das Sinnbild der Industrie 4.0. Im Vordergrund der Diskussion stehen im Wesentlichen die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die aktuellen Studien überschlagen sich geradezu mit düsteren Prognosen über den Wegfall von Arbeitsplätzen durch den Einsatz von Robotern in Produktions-, Service- und Verwaltungsprozessen. Es ist davon auszugehen, dass viele Berufsbilder in naher Zukunft beinahe vollständig automatisiert werden.

Als Haupttreiber dieser Automatisierungswelle gilt die Abbildung von Prozessen durch Roboter-Technologie (Robotics Process Automation RPA). Der sogenannte „Job Futuromat“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAD) zeigt an, welche Tätigkeiten in Ihrem Job schon heute ein Roboter erledigen könnte. Dabei skizziert dieses Tool ein etwas positiveres Bild in Bezug auf das Rationalisierungspotenzial, als vergleichbare englische Seiten.  

 

Roboter als Lösungsansatz für die Effizienzprobleme in Banken?

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld ist eine Steigerung der Erträge nahezu unmöglich, so dass sich die meisten Banken derzeit Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogrammen unterwerfen. In diesem Zusammenhang könnte der Einsatz von Roboter-Technologie einen willkommenen Hebel zur Steigerung der Produktivität in allen Bankfunktionen von der Vertriebs-, über die Produktions- bis hin zur Steuerungsbank darstellen.

Einsatz von Roboter-Technologie im Bankgeschäft

Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten der Roboter-Technologie im Bankgeschäft vielfältig: Service-Roboter unterstützen bereits heute Banken beim Empfang von Kunden in Servicebereichen oder als Wegbegleiter innerhalb von Gebäuden. 

Chatbots werden mittlerweile von einer Vielzahl von Unternehmen an der Kundenschnittstelle verwendet, um rund um die Uhr Serviceanliegen schnell zu erledigen.

Der neue Trend, mit Endgeräten zu sprechen, wird mit Hilfe von Talkbots realisiert. Mit den digitalen Assistenten Siri, Alexa und Cortana kommt diese Technologie zunehmend auch in deutschen Haushalten zum Einsatz. Über diese Schnittstellen können Bankkunden einfache Servicedienstleistungen durchführen und Informationen ihrer Bank erhalten.

Roboter-Advisor sind der dominierende Trend im Anlagen- und Investmentgeschäft. Die gesteigerten regulatorischen Vorschriften und Verbraucherschutzanforderungen werden dazu führen, dass das Retail Investment im Beratungsgeschäft der Banken zunehmend unattraktiver und somit zukünftig verstärkt über solche Ansätze abgebildet wird.

Die Robo Decider helfen beispielweise Banken bei der elektronischen Durchführung von Kreditentscheidungen. Die RPAs unterstützen dabei Prozessschritte oder gesamte Prozessketten zu automatisieren. Sie simulieren die Tätigkeit von Sachbearbeitern und bieten Banken eine Vielzahl von Anwendungsfeldern.


Deutsche Banken arbeiten mit Hochdruck am Roboter-Einsatz


Deutsche Banken arbeiten bereits mit großem Engagement am Einsatz von Robotern. Das belegt eine aktuelle Banken-Studie von Horváth & Partners aus dem Jahr 2017. Im Backoffice entlasten Softwareroboter ihre menschlichen Kollegen bereits bei lästigen Arbeiten wie der Eingabe und dem Abgleich von Daten. Die Umfrage unter mehr als 100 Entscheidern aus Finanzinstituten zeigt, dass viele die neue Technologie bereits nutzen oder den Einsatz planen.

Gefragt nach dem Einsatz von Robotics in ihren Serviceprozessen geben 43% der Banken an, dass sie RPA bereits im Rahmen von Labortests nutzen. Außerdem haben bereits 37% der Finanzinstitute produktive Piloten im Einsatz. Darüber hinaus bereitet mehr als die Hälfte den umfassenden Einsatz von RPA in speziellen Bereichen vor.

Dass der neue Technologietrend mit großen Erwartungen verbunden ist, spiegelt sich auch in den Studienergebnissen wider. Die Bedeutung von RPA schätzen rund zwei Drittel der Befragten als sehr hoch oder hoch ein. Eine große Mehrheit glaubt zudem an Einsparpotenziale von zehn Prozent und mehr. Den größten Nutzen bringt Robotics in den Augen der Verantwortlichen eher bei kundenfernen Tätigkeiten. Am stärksten an der Kostenschraube drehen lässt sich mit RPA in der Produktionsbank: Hier rechnen fast 60% der Befragten mit einem Einsparpotenzial von mehr als 20%.

Von den Leistungen der Roboter sind die Verantwortlichen in den Finanzunternehmen fast ausnahmslos überzeugt: 94% rechnen mit einer erhöhten Prozessgeschwindigkeit und 92% mit einer verbesserten Qualität der Prozesse. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht in RPA den Schlüssel zu erweiterten Servicezeiten. Schließlich arbeitet die Robotertechnik weiter, wenn die Mitarbeiter bereits im Feierabend sind. 43% glauben zudem, dass sich mit Hilfe von RPA auch die Kundenzufriedenheit erhöhen lässt.


Genossenschaftliche Finanzgruppe startet durch


Besucher der IT- und Bankfachmesse COM17 der  Fiducia & GAD IT AG konnten bereits erste Ansätze zum Einsatz von Robotern bestaunen. So stellte die Fiducia & GAD IT AG unter dem Arbeitstitel „Sarabi“ einen Chatbot vor – ein Dialog-System, mit dem der Bankkunde per Text- und Spracheingabe kommunizieren kann. Als persönlicher Assistent übernimmt Sarabi zum einen klassische Banking-Aufgaben wie Geld überweisen und Kontosalden anzeigen. Daneben wurde ein Customer Advisor vorgestellt – ein Chatbot für Supportanfragen, der auf IBM Watson basiert. Die Idee dahinter: Hat ein Bankmitarbeiter eine Frage zu einer Lösung der Fiducia & GAD IT AG, wendet er sich damit zunächst an den Customer Advisor. Im besten Fall kann dieser die Frage direkt beantworten, weil er als lernendes System die Antwort bereits in der Vergangenheit erfahren hat.

Neben den zentralen Entwicklungen existiert eine Vielzahl von Pilotanwendungen in der genossenschaftlichen Finanzgruppe. So ist die Volksbank Offenburg – neben der Comdirect Bank – die erste Bank in Deutschland, die die Amazon-Anwendung Alexa nutzt und ihren Kunden Service- und Informationsangebote über diese Kundenschnittstelle anbietet.

RPA-Pilotanwendungen haben in allen genossenschaftlichen Bankgruppen (z.B. Berliner Volksbank, Volksbank Offenburg, BBBank, PSD Banken, Sparda Banken) in unterschiedlichen Funktionen bereits den Nachweis erbracht, dass die Roboter mit der Kernbankanwendung agree21 harmonieren und die zu erwartenden Nutzeneffekte realisiert werden können.  


Ausblick: Flächendeckender Einsatz in der Primärstufe erwartet


RPA-Anwendungen bieten erhebliche Produktivitätseffekte, insbesondere bei standardisierten Prozess- und Bearbeitungsschritten. Horváth & Partners geht davon aus, dass rund 50% der Prozesse in der Produktionsbank mit RPA unterlegt werden können und hier einen erheblichen Produktivitätstreiber darstellen. RPAs können innerhalb kürzester Zeit eingeführt werden und sind mittlerweile mit sehr geringen Investitionen umsetzbar. Die Amortisationsdauer liegt in der Regel unter sechs Monaten. Daher geht  Horváth & Partners davon aus, dass diese Technologie flächendeckend in der genossenschaftlichen Primärstufe zum Einsatz kommen wird.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass RPA nur eine Brückentechnologie darstellt, die durch eine zunehmende E2E-Digitalisierung und -Automatisierung abgelöst werden wird. D.h., mit dem Voranschreiten von „One and Done“-Prozessen werden die RPA-Anwendungen in Kundenprozessen obsolet. Ungeachtet dessen, erscheinen RPA-Implementierungen empfehlenswert, da nicht alle Kundenprozesse kurzfristig über „One and Done“ abgebildet werden und RPA auch in Steuerungsprozessen eingesetzt wird, wo keine E2E-Automatisierung zu erwarten ist.

Der Arbeitsplatz in der Produktionsbank wird sich dadurch weiter verändern. Neben dem Wegfall von Arbeitsplätzen in der Standardbearbeitung durch die fortschreitende Digitalisierung werden zukünftig verstärkt Mitarbeiter-Profile benötigt, die Ausschüsse bearbeiten und Roboter betreuen, überwachen und parametrisieren. Dadurch erhöht sich der Transformationsdruck auf die gesamte Produktionsbank weiter. 

Die ADG unterstützt Sie mit folgenden Angeboten zu diesem Thema:

VeranstaltungDatumZielgruppeArt der VeranstaltungVeranst.-Nr.
2018-06-25 00:00:00.0-2018-06-26 00:00:00.0Führungskräfte
Vorstände
TagungSB118-1022
 

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