Mitglieder brasilianischer Kreditgenossenschaft zu Gast auf Schloss Montabaur

30.06.2017

Ende Mai haben Mitglieder des Verwaltungs- und Aufsichtsrats der brasilianischen Kreditgenossenschaft SICREDI Pioneira die ADG besucht. Die für die strategische Ausrichtung und Positionierung der Genossenschaft verantwortlichen Mitarbeiter informierten sich in einem viertägigen Fachbesuch intensiv über die Themen "Strategische Herausforderungen", "Strategische Planung", "Regionalität" sowie "Mitgliedergewinnung/-förderung" und über die Erfahrungen deutscher Genossenschaftsbanken in diesen Feldern.

Die ADG hatte für die elf aus dem Süden Brasiliens angereisten Teilnehmer ein ambitioniertes und abwechslungsreiches Programm entwickelt:

  • Bei einem Besuch der DZ Bank in Frankfurt erläuterte Bernward M. Vierheilig (Prokurist bei der DZ Bank) umfassend die Aufgaben und die Servicedienstleistungen der genossenschaftlichen Zentralbank für die angeschlossenen Primärinstitute und ging in seinem Vortrag zudem auf die Schwierigkeiten ein, mit denen deutsche Genossenschaftsbanken insbesondere in städtischen Ballungszentren konfrontiert werden.
  • Auf Schloss Montabaur zeigte Dr. Stefan Daferner, Projekt Manager im Bereich ADG-International, die Struktur der deutschen Genossenschaftsorganisation auf, diskutierte mit den Teilnehmern die Unterschiede zwischen den deutschen Genossenschaftsbanken und den Kreditgenossenschaften in Brasilien und beleuchtete mit  den Themen "Niedrigzinsphase", "Digitalisierung" und "Demographie" die aktuellen Herausforderungen für die Geschäftstätigkeit der Volksbanken und Raiffeisenbanken.
  • Während eines Tagesbesuchs bei der VR-Bank Nordeifel eG stellte Bernd Altgen, Vorstandsvorsitzender der Bank, die nachhaltige Mitgliederförderung des Hauses mit dem Mehr-Nutzen für Mitglied, Bank und Region. Diese gelebte Genossenschaftspraxis hat Vorbildcharakter: So sind 49 Prozent der Bevölkerung Mitglied der Eifeler Hausbank, die damit die mitgliederstärkste Bank Deutschlands ist.
  • Am abschließenden Seminartag stand der Aspekt "Erfolgreiche und nachhaltige Unternehmensstrategie" auf der Agenda. In einer intensiven Diskussion mit den Teilnehmern beleuchtete Odo Steinmann, Vorstand der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück eG, dieses Themenfeld u.a. mit Blick auf "Verteilung und Art von Geschäftsstellen (Veränderungen im Geschäftsstellennetz)", "Mitarbeiterbindung/ -fluktuation/ -zufriedenheit", "Arbeitszeit- und Bonusmodelle", "Kundenbindung in Verbindung mit dem USP-Mitgliedschaft" sowie „Aktuelle Risiken aus dem Kreditgeschäft (sowohl im Privat- als auch im Firmenkundenbereich)".


Dass Programm und Inhalte die Erwartungshaltung der Teilnehmer insgesamt getroffen und erfüllt haben, zeigt auch das Statement eines Teilnehmers am Ende des Besuchs „…. Die Woche bot reichhaltigste Mengen an Informationen, auf die sich die Planung unserer Aktivitäten und die Entwicklung des Kreditgenossenschaftswesens in den nächsten Jahren in Brasilien sicherlich stützen wird.“


So unterscheidet sich der brasilianische Kreditgenossenschaftssektor vom deutschen

Der brasilianische Kreditgenossenschaftssektor unterscheidet sich in vielfältiger Weise von den deutschen Strukturen: So dürfen brasilianische Genossenschaften beispielsweise Geschäfte ausschließlich mit Mitgliedern abwickeln, d.h. jeder Kunde muss zwingend Mitglied der Genossenschaft sein. Desweiteren agieren mehrere kreditgenossenschaftliche Systeme parallel am Markt, etwa SICREDI, SICOOB, Unicred, Cresol – um nur die vier größten Systeme zu nennen. Insgesamt besteht das Genossenschaftsbankensystem in Brasilien aus 1.045 Instituten mit 8,9 Millionen Mitgliedern, 60.000 Mitarbeitern und 5.667 Filialen. Damit besitzt die Gruppe zwar das landesweit größte Filialnetz, hat allerdings nur rund fünf Prozent Marktanteil.

Das System SICREDI ist ein Zusammenschluss von fünf Zentralgenossenschaften und 121 assoziierten Instituten sowie mehr als 1.500 Geschäftsstellen in 20 von 26 Bundesländern in Brasilien. Die Hauptgeschäftstätigkeit von SICREDI besteht in der Kreditvergabe insbesondere an KMUs in ländlichen aber auch städtischen Regionen. Derzeit umfasst das SICREDI-System ungefähr 3,5 Millionen Mitglieder und beschäftigt über 20.000 Mitarbeiter bei einer Bilanzsumme von umgerechnet knapp 19,5 Milliarden Euro. Damit handelt es sich um das zweitgrößte kreditgenossenschaftliche System Brasiliens.

Die Geschichte von SICREDI geht zurück auf das Jahr 1902, als in Nova Petrópolis in Rio Grande do Sul – dem südlichsten und von deutschen und italienischen Einwanderern geprägten Bundesstaat Brasiliens – die erste brasilianische Kreditgenossenschaft gegründet wurde: Sicredi Pioneira! Damit ist Sicredi Pioneira gleichzeitig die älteste Kreditgenossenschaft Lateinamerikas und heutzutage mit einer Bilanzsumme von umgerechnet 600 Millionen Euro, 520 Mitarbeitern, 39 Geschäftsstellen und 120.000 Mitgliedern (das entspricht einem Marktanteil von knapp zehn Prozent) auch die siebtgrößte Kreditgenossenschaft Brasiliens.


Enge freundschaftliche Beziehungen zwischen ADG und brasilianischen Genossenschaften

Insbesondere zum System SICREDI pflegt die ADG seit vielen Jahren eine enge und freundschaftliche Beziehung, welche 2011 auch über ein Kooperationsabkommen gefestigt wurde. Seither besuchen mehrere Studiengruppen von SICREDI Deutschland und die ADG. Darüber hinaus implementiert die ADG seit 2012 jährlich ein 14-tägiges Managementprogramm und begleitet hierüber die Personalentwicklung von SICREDI-Führungskräften.

Aber auch zu den anderen brasilianischen Genossenschaftsbankensystemen sowie zum Dachverband CONFEBRAS bestehen seit einigen Jahren enge Beziehungen, mit Fachbesuchen bei der ADG als auch mit Fachvorträgen sowie Beratungseinsätzen durch Dr. Stefan Daferner in Brasilien.

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Dr. Stefan Daferner
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