Wie Sie die Spendenvergabe digital erfolgreich managen

07.12.2017Christian Gies

Gesellschaftliches Engagement für ehrenamtliche und soziale Projekte ist Genossenschaftsbanken seit jeher wichtig. Wirtschaftlichen Erfolg verbinden sie mit gesellschaftlich verantwortlichem Handeln. Sie fördern die Region sowie die dort lebenden Menschen und übernehmen Verantwortung. Doch nehmen die Menschen der Region dieses Engagement wahr? Wissen Vereinsmitglieder, woher die Spendengelder kommen und wofür diese verwendet werden? Und ist das Engagement Teil ihrer Unternehmenskultur – oder ist es jedes Jahr die Entscheidung von nur einigen wenigen Personen?

Die Volksbank Main-Tauber eG hat das digitale Spendenkonzept „wir-für-hier“ entwickeln und bereits erfolgreich umsetzen lassen. „wir-für-hier“ verbindet auf ideale Weise die Filialen mit der Onlinewelt. Zudem macht es echte Mitbestimmung für viele Mitglieder und Kunden erlebbar und bringt Genossenschaftsbanken zu ihren Wurzeln zurück. In ihrem Format „ADG-Blaupause“ vermittelt die ADG anderen Genossenschaftsbanken dieses erfolgreich etablierte Geschäftsmodell und knüpft damit an die genossenschaftliche Idee "Hilfe zur Selbsthilfe" an.

Die Volksbank Main Tauber eG spendet jährlich mindestens 100.000 € aus Gewinnsparmitteln an Vereine und Organisationen in der Region. Bisher wurden die Mittel von der Bank nach individuellen Vorgaben verteilt. Seit 2016 lässt die Volksbank Main-Tauber eG ihre Mitglieder und Kunden über die Verteilung von  Spendengeldern aus dem Gewinnsparverein entscheiden.

Ob Bildung, Soziales, Sport oder Kultur: Über das neue genossenschaftliche Spendenportal „wir-für-hier“ können Mitglieder und Kunden einer Genossenschaftsbank einem Verein, einer Organisation oder einem Projekt aus unterschiedlichsten Bereichen Spendengelder der Volksbank „schenken“. Die Spendengutscheine („VR-Punkte“) werden in den Bankfilialen ausgegeben: Als Dankeschön für ein Gespräch oder eine genossenschaftliche Beratung in der Filiale erhalten Mitglieder und Kunden „VR-Punkte“, mit denen sie Projekte unterstützen können. Der Bankmitarbeiter ist als „Projektpate“ direkter Ansprechpartner der Vereine.

Erfolgszahlen von „wir-für-hier“

  • 291 Vereine und Organisationen aus der Region stellen sich auf dem Spendenportal vor
  • 458 von Mitgliedern und Kunden unterstützte Projekte
  • 129 freiwillige Bankmitarbeiter, die sich als Projektpaten zur Verfügung gestellt haben
  • 8.411 verschiedene Spender
  • 30 Prozent Zuwachs an Abonnenten der Facebook-Seite im ersten Jahr
  • Eintägige Facebook-Kampagne mit positiven Effekten:

    1) 70-prozentige Einlösequote der Spendengutscheine

    2) 61 Likes

    3) 389 Mal Kampagne geteilt

    4) 455 Kommentare

    5) 35.531 erreichte Personen

    6) 0,06 Euro Werbebudget pro erreichte Person

 

Die Mehrwerte für Genossenschaftsbanken

  • Hohe Öffentlichkeitswirkung: Tausende Kunden lösen „VR-Punkte“ auf dem Spendenportal ein, erzählen es anderen Menschen in der Region weiter und teilen die Spendenprojekte in sozialen Netzwerken.
  • Vertriebsförderung für das Gewinnsparen: Das attraktive Spendevergabeverfahren erhöht die Nutzung des Gewinnsparens.
  • Spürbare Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Bank:  Die Mitarbeiter der Bank werden aktiv in das Vergabeverfahren eingebunden. Sie können „Projektpate“ werden und sind direkter Ansprechpartner der Vereine, Organisationen oder Projektverantwortlichen.
  • Erlebbare Mitbestimmung für Kunden und Mitglieder: Kunden und Mitglieder können mitbestimmen, wie die Spendengelder in der Region verteilt werden.
  • Regionales Kundenbeziehungsmanagement: Spendengutscheine („VR-Punkte) werden im persönlichen Gespräch oder in der Beratung in der Bankfiliale ausgegeben.
  • Transparenz: Vereine, Kunden und Mitarbeiter wissen, wie die Spendengelder verteilt werden.
  • Alleinstellung: Genossenschaftsbanken handeln im genossenschaftlichen Sinne, wenn sie sich für Vereine, Organisationen oder Projekte in ihrer Region einsetzen.

Ebenfalls um Spenden geht es im Projekt "Mitgliedschaft mit Herz“ der Volksbank Weinheim eG, das von einer Jury der ADG im Rahmen einer ADG-Innovationswerkstatt für seinen genossenschaftlichen Fokus ausgezeichnet wurde. Die Idee: Mitglieder der Volksbank Weinheim unterstützen durch die Spende ihrer Dividende aus der Mitgliedschaft zu Gunsten der Volksbank Weinheim Stiftung Projekte und Vorhaben von Vereinen und sozialen Einrichtungen in der Region. Mitglieder, die spenden, können auf einer Website für Projekte voten. „Die ,Mitgliedschaft mit Herz‘ ist eine Übersetzung der Idee unserer Gründungsväter, ‚Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele‘, ins digitale Zeitalter“, sagt Markus Hug, Direktor und Bereichsleiter Personal und Vorstandsstab der Volksbank Weinheim eG.


Ob die Dachreparatur am Kindergarten, Trainingsgeräte für die Turner, eine neue Schaukel für den Spielplatz: Wann immer sie ein Projekt für einen Verein oder eine gemeinnützige Einrichtung realisieren möchten, können Interessierte auf www.volksbank-weinheim.de/mitgliedschaft-mit-herz finanzielle Unterstützung suchen und finden.


Zwei Phasen, ein Ziel: Projekte realisieren

Jedes Projekt durchläuft zwei Phasen. Zunächst kommt es darauf an, auf der Website der Volksbank Weinheim eG möglichst viele Fans zu gewinnen, die dem Projekt ihre Stimme geben. Abstimmen dürfen dabei alle Mitglieder, die ihre Dividende spenden. Ist die nötige Anzahl von Befürwortern gefunden, startet die Finanzierungsphase, in der Geld für das Projekt gesammelt wird. Dabei gilt es, möglichst viele „Mitglieder mit Herz“ für ihr Projekt zu begeistern, denn jede Stimme zählt bei der Verteilung der zur Verfügung stehenden Spendengelder aus dem Dividendentopf.

Sollten in dieser ersten Phase noch nicht genügend „Mitglieder mit Herz“ für ein Projekt gestimmt haben, so gibt es im Anschluss jedoch noch eine zweite Möglichkeit. Sie sollten dann weiter für das Projekt werben und aktive Unterstützer akquirieren. In der zweiten Phase spendet jeder so viel er möchte.

Nach einem definierten Zeitraum wird geschaut, ob genügend Geld für die Realisierung des Projekts gesammelt wurde. Wenn ja, können die Initiatoren durchstarten und die Unterstützer erhalten am Ende ggf. ein kleines Dankeschön. Falls die notwendige Summe nicht erreicht wurde, bekommen die Förderer und der Spendentopf ihr Geld zurück.

 

Gewaltiger Erfolg der genossenschaftlichen Plattform

In der ersten Runde, die in der zweiten Jahreshälfte 2016 startete, bewarben sich fünf Vereine um insgesamt 14.330 Euro, die die Bank abschließend in voller Summe auszahlen konnte. Für 2017 fließen nun erstmals die Dividenden in Höhe von rund 19.000 Euro (Bruttodividende) der „Mitglieder mit Herz“ in den Finanzierungstopf.

Für weitergehende Fragen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Profilbild
Axel Gürntke
Dipl.-Kaufmann / MBA
Bereichsleiter Genossenschaftliche FinanzGruppe

Tel.: (02602) 14-170
Fax: (02602) 1495-170
Profilbild
Anne Neuroth
Betriebswirtin (VWA)
Innovationen

Tel.: (02602) 14-187
Fax: (02602) 1495-187
Forum
Diesen Bereich ausblenden