ADG und WeQ-Foundation unterstützen genossenschaftliche Innovationen

31.08.2017Christian Gies
Die Grundsätze des Genossenschaftswesens – Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung – sind mehr als 150 Jahre alt, haben aber bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Wirtschaftliche Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus. Wie kann es aber insbesondere in Zeiten des digitalen Wandels gelingen, das Vertrauen der Mitglieder und Kunden zu stärken und die genossenschaftliche Idee noch stärker zu leben? Wie können bestehende und neue Genossenschaften vernetzter agieren und in Zukunft ein noch wirksameres Erfolgsmodell realisieren? Über 50 Visionäre aus der Genossenschaftswelt sind diesen zentralen Fragen bei der zweitägigen Auftaktveranstaltung „Geno Wequbator“ in Berlin unter der Schirmherrschaft der ADG und der WeQ-Foundation  nachgegangen. Die Teilnehmer waren von „Geno Wequbator“ restlos begeistert.

"An vielen Innovationsworkshops habe ich bereits teilgenommen, diese Veranstaltung von ADG und WeQ-Foundation war aber anders: Wir konnten sehr ehrlich und reflektiert miteinander kommunizieren und haben mit hoher Leidenschaft und Begeisterung zusammen gearbeitet. Es ist schön auf Menschen zu treffen, die das gleiche Ziel verfolgen: nämlich die heutigen und künftigen Herausforderungen mit einer partizipatorischen Arbeitsweise, also auf Basis einer Vertrauenskultur, zu lösen", bilanziert etwa Holger Gelhausen, der in Kürze selbst für eine wertbasierte Innovation eine Genossenschaft gründen möchte. „Die Genossenschaftsidee finde ich schlichtweg überzeugend, für mich das einzig vernünftige Modell, um auch bei sehr hoher Komplexität sehr schnell agieren zu können", so Gelhausen.

Die genossenschaftlichen Teilnehmer, die alle auf persönliche Einladung der ADG und der WeQ-Foundation dabei waren, haben in einem Design Thinking Prozess Prototypen zu den Dachthemen "Vernetzung", "Kultur und Arbeitsweise", "Regionale Wertschöpfung" und "Vision ‚Genossenschaft‘" konzipiert.

Acht Prototypen (mit fiktiven Namen von Kunden) werden weiterentwickelt, getestet und nach Kundenfeedbacks weiter optimiert. Am 6. und 7. Dezember stellen die acht Arbeitsgruppen bei der ADG auf Schloss Montabaur die Prototypen in einem Pitch näher vor. Dann wird entschieden, ob das Geschäftsmodell trägt und die Ideen zur Marktreife gelangen können.  


Prototyp 1: Vision Genossenschaft

Dirk möchte mit den Themen Umwelt, Natur und Mensch einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Er hat das Problem, dass er sich damit alleine fühlt in einer durch finanzielle Werte geprägten Gesellschaft. Er sucht Hilfe, seine Ideen umzusetzen.

Prototyp 2: Vision Genossenschaft

Das Team hat in der Analysephase moderne Knappheiten aufgezeigt und dabei das Feld „Bildung“ als größten Hebel ausgemacht. Sophie ist beruflich und familiär bereits mit dem bestehenden Schulsystem befasst und steht alleine da mit dem Bedürfnis, ihren Kindern ein lebensnahes Lernen zu ermöglichen.

Prototyp 3: Vernetzung
Mit dem Credo "Bewegung durch Begeisterung" erkannte das Team den hohen Wert, bei anderen Menschen Motivation und Begeisterung zu erzeugen. Es darf sich kein Mitglied der Gesellschaft nutzlos fühlen. Jeder muss in das gesellschaftliche Wirken integriert sein, am besten durch die Aufforderung, akute Probleme mit zu lösen und stärker noch: Herzensangelegenheiten umzusetzen. Dafür bedarf es der Hilfe, Begeisterung zu erzeugen, zu halten und zuzulassen.

Prototyp 4: Vernetzung

Egon Steif ist Direktor einer Bank. Er hat keine Erfahrung in der Sharing Economy sieht aber die Entwicklungen und eine Zukunft in Peer-to-peer, also die zwischen Privatpersonen geteilte und von Dritten (online) vermittelte Nutzung von materiellen Gütern. Dem Direktor ist nicht bewusst, welche Dienstleistungen sich für dieses Feld eignen. Menschen wie Egon Steif suchen eine Befähigung, um strategisch wirksam mit der Sharing Economy umzugehen.

Prototyp 5: Regionale Wertschöpfung
Kevin kommt mit seinem Kumpel Andi gerade aus einem Club, wo er als DJ aufgelegt hat. Er hat bisher keinen Kontakt zur Genossenschaftswelt, nur durch seinen weiteren Freund Tobias eine Ahnung davon. Als ein Baulöwe aus Profitgründen vorhat, den Club zu schließen, um in Mietwohnungen zu investieren, fragen sich die Freunde, ob bei der Rettung des Clubs eine Genossenschaft helfen kann.

Prototyp 6: Regionale Wertschöpfung
Markus arbeitet in einer Genossenschaft und will Veränderungen anregen. Ursula liebäugelt mit der GLS Bank und will selbst entscheiden, was sie mit ihrem Geld fördert. Karim wünscht sich wiederum eine kollaborative Plattform, basierend auf Demokratie und Transparenz als grundsätzliche Werte. Hans schließlich, der Chef von Markus, sorgt sich darum, wo es mit der Genossenschaft in Zukunft hingeht. Gleichzeitig möchte er jedoch keine Veränderung, besonders nicht in Form von Digitalisierung.

Prototyp 7: Kultur und Arbeitsweise
Claudia vertritt den Standpunkt, dass Mitbestimmung ein Grundrecht ist. Mitbestimmung soll idealerweise entspannt geschehen, mit Eventcharakter. Es soll darum gehen, alte Strukturen aufzubrechen und die kulturelle Dimension anzusprechen. Mitbestimmung soll Sinn machen und Ziele erreichbar werden lassen. Das Team möchte Claudia dabei helfen, ihre Ziele zu erfüllen.

Prototyp 8: Kultur und Arbeitsweise
Im Mittelpunkt der Idee steht die Frage, wie die Bank von Vorstand Peter Neunzig im Kontext der genossenschaftlichen Werte zu einer noch besseren Zusammenarbeit kommt. Die Prämisse lautet: 'Wer in einem sinnstiftenden Netzwerk arbeitet, vernetzt denkt und handelt, hat auch Antworten auf globale und digitale Herausforderungen und kann diese als Chancen begreifen.

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