FinTechs – Partner auf dem Weg in die Digitalisierung

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Abwarten ist keine Option – bis Genossenschaftsbanken von der Idee bis zur Markteinführung eine Dienstleistung in Eigenregie digital umgesetzt haben, sind FinTechs häufig schon drei Schritte weiter. Doch beide Seiten haben sich in den vergangenen Jahren angenähert und öffnen sich für Kooperationen. Darin liegt die große Chance für traditionelle Banken, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und ihre Kunden mit neuen Services zu begeistern. Zudem stehen Vorstände aufsichtsrechtlich in der Pflicht, die digitale Ausrichtung ihrer Geschäftsmodelle aktiv zu gestalten, wie die BaFin erst kürzlich klargestellt hat. Jetzt ist die Zeit zu handeln!

An dieser Stelle setzt das neue Programm „Kooperationen mit FinTechs – strategische Chance für genossenschaftliche Institute“ an, das mit dem ersten seiner zwei Webinar, sowie zwei Präsenzmodule am 28. November 2018 mit einem Webinar startet. Die weiteren Module finden bis Ende Juni 2019 statt. Aktualität und Relevanz des Programms für Vorstände von Genossenschaftsbanken können kaum größer sein, wie die Veröffentlichung der BaFin vom 1. August 2018 zeigt. Der Artikel der Aufsichtsbehörde ist überschrieben mit „Digitalisierung und Informationssicherheit im Finanz- und Versicherungswesen im Fokus aufsichtsrechtlicher Anforderungen“ – und leitet wie folgt ein:

„Der technologische Fortschritt erzwingt eine sehr viel stärkere Ausrichtung an Innovation und eine permanente Anpassung an das Kundenverhalten, das sich dynamisch verändert. Somit bringt die Digitalisierung neben den allgegenwärtigen und weiter zunehmenden Informations- und Cybersicherheitsrisiken auch Risiken strategischer Natur für die Banken und ihre IT-Dienstleister mit sich, weil sie die Wertschöpfungsketten im Finanzdienstleistungssektor verändert.“

 Soweit die BaFin. Es lohnt sich, das gesamte Schreiben zu lesen. Es findet sich hier.

Digitalisierung als Aspekt der strategischen Geschäftsentwicklung

Für jeden Vorstand wird es damit zur Pflicht, sich eingehender mit dem Thema „Digitalisierung“ unter dem Aspekt der strategischen Geschäftsentwicklung zu beschäftigen. An einer Auseinandersetzung mit den Angeboten der FinTechs kommt man dabei nicht vorbei. „Der Blick auf FinTechs hat sich gedreht. Sie sind nicht mehr der sprichwörtliche Feind, sondern sie bieten die Chance, viel schneller und agiler neue Themen aufzunehmen, die den Kunden begeistern“, sagt Christian Storck, Bereichsleiter Digitalisierung und Vertrieb bei der Matthias Leimpek Unternehmensberatung im hessischen Brechen.

Storck und Dr. Mirco Kübler haben das ADG-Programm gemeinsam entwickelt und führen die Teilnehmer durch die vier Module. Kübler, Geschäftsführer der ADJUVAMUS – Gesellschaft für Bankmanagement mbH mit Sitz in Bonn, betont den tiefen Einblick, den die Teilnehmer in Branche, Geschäftsmodelle und Vordenker der FinTechs haben werden: „Mit über 400 FinTechs geben wir einen Überblick über einen großen Ausschnitt der relevanten Szene und steigen in bestimmte Geschäftsmodelle tiefer ein.“ Voraussichtlich wird es auch Gelegenheit geben, Gründer und Geschäftsführer von FinTechs kennenzulernen und zu befragen.

Strategie ist nichts, wenn die Umsetzungskomponente fehlt

Zwar ist eine ganze Reihe von FinTechs schon nicht mehr am Markt tätig – einige wurden von Dritten übernommen, bei anderen mangelte es an der Finanzierung oder am betriebswirtschaftlichen Handwerk. „Aber“, betont Kübler: „Das zurückgelassene Modell, die Produktidee oder das nicht mehr angebotene Produkt bieten oft großes Potenzial für aufmerksame Wettbewerber.“ Daraus können die Teilnehmer lernen und sich Inspiration holen.

Doch Strategie ist nichts, wenn die Umsetzungskompetenz fehlt. Dafür müssen zunächst die richtigen Fragen gestellt und beantwortet werden. „Wir sprechen über die organisatorischen Leitplanken, Rahmenbedingungen und Regelungen für die Kooperationspartner“, sagt Christian Storck. „Zudem ist es unerlässlich, Kooperationen mit dem übergreifenden Vertriebskonzept zu verknüpfen. Es ist wesentlich zu klären, was genau man sich verspricht; zu quantifizieren, ab welchem Volumen sich die Zusammenarbeit lohnt; und zu klären, mit welcher Preisstrategie man in den Markt geht.“ Die Häuser müssen sich klar darüber sein, wie sich die Kooperation auf ihre Strategie auswirkt, was sie für die Marktbearbeitung bedeutet und letztlich natürlich auch, was man bereit ist zu investieren.

Unternehmerische Denke ist gefordert

Gerade Genossenschaftsbanken stehen dabei stets vor der Frage, wo im Spektrum zwischen Verbund- und individueller Strategie sie sich im Einzelfall bewegen sollten. Auch das wird in diesem Programm diskutiert. Klar ist dabei für Mirco Kübler: „Etablierte Banken müssen erkennen, dass nur mit unternehmerischem Risiko und wettbewerbsorientierter strategischer Ausrichtung eine erfolgreiche Zukunft möglich ist. Lediglich als Nachahmer zu agieren ist keine zukunftsfähige Strategie.“ Nach Küblers Beobachtung wird vieles gar nicht erst angefangen, weil das Risiko besteht, dass das ein oder andere nicht funktionieren könnte. „Hier ist mehr unternehmerischen Denken gefordert“, betont Kübler.

 Fest steht: „Business as usual“ zu betreiben und neue Nebenschauplätzen aufzumachen ergibt keinen Sinn, eine umfassende Strategie ist gefordert. „Dabei haben selbst kleinere Banken die realistische Möglichkeit, eigene Wege zu gehen“, ist Storck überzeugt. Ist die Frage „Welche Art der Kooperation ergibt jetzt für uns Sinn?“ überzeugend beantwortet, sollte man sich nicht mehr aufhalten lassen und den Weg weitergehen. Denn: Abwarten ist keine Option.

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Inken Hallberg

Dipl.-Handelslehrerin / Dipl.-Berufspädagogin
Managerin Lernformate und Bildungsarchitektur